Berufsorientierung für sechs WAT-Hauptschüler

Im Dschungel der Berufe stehen viele Menschen Schlange. Da muss man zusammenhalten. Teilnehmer der Berufsorientierungs-Offensive „Rock Your Life“.
Im Dschungel der Berufe stehen viele Menschen Schlange. Da muss man zusammenhalten. Teilnehmer der Berufsorientierungs-Offensive „Rock Your Life“.
Foto: privat
Studierende begleiten Hauptschüler während der letzten beiden Schuljahre. Ihr Ziel: Berufsorientierung durch ein langrfristiges Vertrauensverhältnis. Auch sechs Hauptschüler von der Liselotte-Rauner-Schule machen mit.

Wattenscheid..  „Hauptschüler leiden nach wie vor unter dem Klischee Hauptschule. Dabei können wir aus unserer Vereinserfahrung berichten: Das Klischee stimmt in keiner Weise.“ Das ist der Ausgangspunkt von „Rock Your Life“ (RYL), sagt Saskia Bommert. Sie ist für Bochum die Vorsitzende der bundesweiten Initiative.

Deren Ziel: Studierende begleiten Hauptschüler während der letzten beiden Schuljahre. Sie sprechen regelmäßig, bauen Vertrauen auf. Auf dieser Grundlage schauen sie gemeinsam: Welche Wünsche, Interessen und Stärken hat der Schüler, und welche Nische auf dem Ausbildungsmarkt hat er vielleicht noch nicht auf dem Schirm?

Ein Nebengedanke des Eins-zu-eins-Mentorings: Studierende stehen mit einem ganz ähnlichen Orientierungsbedarf da. Sie haben also auch einen direkten Vorteil von der gemeinsamen Orientierungsarbeit und von den Seminaren, die der Dachverein anbietet.

Stadtwerke fördern mit 7500 Euro

Das Konzept macht Schule. Es wurde mehrfach ausgezeichnet, inzwischen existiert es in 40 deutschen Städten, seit vergangenem September auch in Bochum. Hier wird es u.a. mit 7500 Euro gefördert von der Herzensprojekte-Aktion der Stadtwerke. „Das meiste Geld brauchen wir für unsere Qualifizierungsstruktur“, sagt der zweite Vorsitzende Marc Imberg. „Rock Your Life’ ist ein Franchisekonzept, die Seminare sind kostenpflichtig. Schüler und Studierende sollen dort gemeinsam u.a. etwas über Talentfindung und Erfolgsanalyse lernen. Das erste dieser Seminare steht für die Bochumer Teilnehmer unmittelbar bevor.

Als zweite von drei hiesigen Schulen beteiligt sich die Liselotte-Rauner-Schule an dem Coaching-Projekt: Die RYL-Vereinsmitglieder durften sich den Schülern vorstellen, sechs wollten mitmachen.

Eines der Coaching-Tandems: Ilknur Ergün und Anna-Maria Reinartz. Ilknur weiß schon, dass sie „mit Menschen arbeiten“ will, „helfend, als Krankenschwester oder Arzthelferin“. Anfang Juli hat sie sich beim „Matching-Tag“ Anna-Maria ausgesucht. Die erinnert sich: „Wir wurden einzeln ‘reingerufen, als die Schüler sich für die Coaches entschieden haben, das war ein bisschen wie Herzblatt.“

Fokus v.a. auf Vertrauensverhältnis

Bislang haben sich die beiden einmal auf einen Smoothie getroffen und geklärt, dass Anna-Maria Ilknur auch bei Klassenarbeiten und Praktikum helfen will, wenn es dort Bedarf geben sollte.

Bevor es an die Berufsperspektiven geht, geht es also momentan v.a. um den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses. Ferner bemüht sich der Verein um Unternehmensbesichtigungen. Netzwerkpartner sind bislang u.a. die Bochumer Veranstaltungs GmbH, die Stadtwerke, das Planetarium – und der VfL. „Da werden auch eher dröge Berufe interessant“, sagt Marc Imberg: „Greenkeeper oder Facility-Manager beim VfL...“

Weitere Firmenkontakte will RYL auf den Einzelfall bezogen aufbauen, „sobald man weiß, was den Jugendlichen wirklich interessiert“.

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