Antworten auf existenzielle Fragen

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Wattenscheid..  Mit ganz kleinen Schritten fing vor 20 Jahren alles an. Damals gründete sich aus einer informellen Gruppe der ökumenische Hospizverein Wattenscheid, um Sterbenden durch menschliche Zuwendung beizustehen, sie auf dem letzten Pfad des Lebens zu begleiten und ihren Angehörigen Trost zu spenden. Inzwischen hat die einst so kleine Gemeinschaft über 400 fördernde Mitglieder, der Bedarf an Betreuungen steigt und steigt. Auf diese Entwicklung hat der Hospizverein nun reagiert und mit Gertrud Oelmann eine weitere Koordinatorin eingestellt.

Denn waren es vor 2009 noch durchschnittlich 50 Begleitungen per anno, kam der ambulante Hospizdienst in den vergangenen vier Jahren auf bis zu 100 Einsätze. „Wir führen dieses Mehr vor vor allem auf den gestiegenen Bekanntheitsgrad sowie auf die Einbindung in das noch relativ junge Palliativnetz Bochum zurück“, schildert Siegfried Schirmer, ehrenamtlicher Geschäftsführer.

Erfahrungen aus der Intensivmedizin

Die dadurch gestiegene Belastung für Koordinatorin Christel- Müller-Ovelhey konnte zunächst mit Brunhilde Duffner als Unterstützung aufgefangen werden. Mit 65 Jahren wollte sie jetzt keine umfassendere Stelle mehr antreten, bleibt dem Hospizverein allerdings als ehrenamtliche Betreuerin weiter erhalten.

Für die neu geschaffene halbe Planstelle hat sich der Vorstand somit für Gertrud Oelmann entschieden. Die 53-Jährige lebt in Haltern, ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitete lange Zeit als examinierte Intensiv- und Anästhesieschwester. Nach einer Erziehungspause hospitierte sie in verschiedenen Hospizen, absolvierte neben ihrer Tätigkeit in der häuslichen Pflege eine Weiterbildung in der Palliativpflege sowie eine Ausbildung zur Pflegeberaterin.

„Im Rahmen meiner langen Berufserfahrung habe ich gerade in der Intensivmedizin viel erlebt, kam mit Familien in Kontakt, die sich mit existenziellen Fragen konfrontiert sahen“, sagt Oelmann. Es gelte in besonderer Weise, solche Familien auch über die körperliche Hilfe hinaus zu unterstützen.

Zu ihren Aufgaben gehört nicht nur die Kontaktaufnahme zu Familien und Patienten, die Vermittlung eines ehrenamtlichen Begleiters, sondern zudem die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Vortrögen in Schulen, Pflegeheimen und Vereinen. „In diesem Bereich erhalten wir immer mehr Anfragen. Von Fachleuten in Krankenhäusern genauso wie von Angehörigen“, berichtet Müller-Ovelhey.

Dabei versucht das Team, das Thema aus der Tabuzone zu holen. „Das Leben hat einen Plan: Schule, Beruf, Familie. Nur den Tod halten wir uns vom Leib“, so Müller-Ovelhey. Dabei seien Informationen zu einer Zeit, in der noch keine akute Not herrsche, besonders wichtig. „Sonst bekomme ich auch nur eine Notfalllösung.“

Ein noch von eigener Hand geregelter Plan für die letzten Schritte hätte wiederum den Vorteil einer emotionalen Entlastung für die Angehörigen. Und dafür will ab sofort auch Gertrud Oelmann sorgen.

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