300 Schüler wie ein Uhrwerk

Diese Neuntklässler haben den Videodreh im Rahmen ihres „musischen Blocks“ organisiert. MdL Serdar Yüksel und Schulausschussmitglied Ingrid Borchert sprachen anerkennende Worte.
Diese Neuntklässler haben den Videodreh im Rahmen ihres „musischen Blocks“ organisiert. MdL Serdar Yüksel und Schulausschussmitglied Ingrid Borchert sprachen anerkennende Worte.
Foto: WAZ FotoPool
Musikvideoprojekt der Liselotte-Rauner-Schule vorgestellt. Die halbe Schülerschaft sang und tanzte eine choreografische Höchstleistung zusammen.

Wattenscheid..  Plansequenzen gelten als größte filmische Herausforderung. Filmteams brauchen ganze Drehtage, um 40 durchchoreografierte Sekunden einmal fehlerfrei in den Kasten zu kriegen.

Die Liselotte-Rauner-Schule (LiRaS) hat nach stattlichen sechs Wochen Vorbereitung gerade einen Drehtag und fünf Takes gebraucht, um mal eben viereinhalb Minuten durchzudrehen. Beteiligt hat sich die Hälfte aller LiRaS-Schüler, rund 300.

Gestern wurde den Mitwirkenden zum ersten Mal das Ergebnis gezeigt: eine mit Musik und tanzenden Schülern untermalte Kamerafahrt durch die LiRaS; ein Lipdub, d. h. die Schüler singen lippensynchron auf die Tonspur des Folk-Popsongs „Little Talks“ von Of Monsters and Men. In dem Lied besingen eine Frau und ein Mann ein altes, mit Erinnerungen vollgestopftes Haus. Das Filmbild zeigt keine knarrenden Treppen, sondern eine Hauptschule auf modernstem Stand und insgesamt 300 performende Schüler zwischen Freude und Konzentration. Eine organisatorische Höchstleistung, dass in jedem Moment alles so gut und lippensynchron sitzt.

Vorgeschlagen und konzeptionell begleitet hat das Projekt der Medienkunstverein Ponte Courage. „Es ist das erste Mal, dass wir einen Lipdub machen“, erklärt Karin Hielscher von Ponte Courage, „normalerweise drehen wir mit den Schülern schauspielerische Videoclips zum Thema Identität.“ Für die neue Idee habe der Verein bewusst die LiRaS gewählt: „Als wir zum ersten Mal kamen, hatten wir sofort einen positiven Eindruck vom Gebäude, von der Stimmung, die hier herrscht, und vom positiven Zusammenhalt.“ Deshalb sei man das organisatorische Wagnis dort eingegangen, „und ihr habt das auch durchgezogen“.

Einige Neuntklässler haben den Dreh schon seit Beginn des aktuellen Schuljahres vorbereitet. Sie hätten sich im „musischen Block“ auch für Comiczeichnen oder „Zeichnen auf Leinwand“ entscheiden können, „aber das war nicht so unser Interesse“, sagt Serin Bohli.

Das Lernziel lautet Erwerb von Medienkompetenz. Also, laut NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann: dass Jugendliche Subjekte des Handelns mit Medien sein sollen; aktiv Eingreifende statt bloße Objekte. Bei dem Lipdub waren die Schüler nicht nur Subjekte der Mediennutzung, sondern des Medienschaffens; was noch ganz andere Lernerfolge bringt. So sagen die Schüler, der Dreh hätte ihnen die Notwendigkeit von Teamwork und sorgfältiger Planung lebendig vor Augen geführt.

Außerdem habe das Hand-in-Hand-Arbeiten zwischen den 300 Beteiligten Zusammenhalt gestiftet. So sei der Lipdub in vielerlei Hinsicht der beste Werbefilm für die Schüler selbst und für die Schule, von der aus sie ins Berufsleben starten, schloss Winfried Paetzel von Ponte Courage.

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