Wildschwein liefert sich "Keilerei" auf Fußballplatz in Recklinghausen

Michael Jacobs
Dies ist zwar nicht „Iwan“, der inzwischen schon zur Facebook-Prominenz avancierte Keiler, der sich in Suderwich den Weg in die Freiheit rammte – aber ein ebenso stattliches Exemplar seiner Art (Sus scrofa).
Dies ist zwar nicht „Iwan“, der inzwischen schon zur Facebook-Prominenz avancierte Keiler, der sich in Suderwich den Weg in die Freiheit rammte – aber ein ebenso stattliches Exemplar seiner Art (Sus scrofa).
Foto: Arne Poll/WAZ FotoPool
„Rodeo-ähnliche Verhältnisse“, so Polizeisprecherin Ramona Hörst, spielten sich am späten Sonntagnachmittag auf dem Sportplatz der Gesamtschule Suderwich ab. Ein Wildschwein trieb dort sein wildes Unwesen. Der Keiler beschädigte sogar einen Streifenwagen. "Schweinerei", resümiert die Polizei.

Recklinghausen / Oer-Erkenschwick. Ein wild gewordener Keiler, der bereits gegen 16.30 Uhr am Sonntag an der Karlstraße in Oer-Erkenschwick Fußgänger angegriffen haben soll, scherte sich offenbar nicht um Stadtgrenzen und begab sich in den benachbarten Recklinghäuser Ortsteil. Kurz vor 17 Uhr gingen im Minutentakt Notrufe über ein äußerst aggressives Wildschwein bei der Polizei ein: Das Tier sei in Höhe der Friesenstraße gesichtet worden.

Polizeisprecherin Ramona Hörst vom Präsidium Recklinghausen schmunzelnd: „In einem der ersten Notrufe sprach jemand von einem 500 Kilo schweren Schwein, das doppelt so schnell gewesen sei wie ein Dobermann.“ Gegen 17 Uhr trafen dann die ersten Streifenwagen ein. Die Beamten entdeckten das Wildschwein auf dem Hof der Gesamtschule Suderwich. Daraufhin flüchtete das Tier auf den direkt angrenzenden Schul-Fußballplatz, die Polizei im Schlepptau.

Schnell stellte sich heraus, dass die Bewohner recht hatten. Das Tier war äußerst aggressiv. Um die Gefahr für die Bürger zu minimieren, entschied die Polizei, den Keiler auf dem Bolzplatz einzusperren, bis er sich beruhigt hatte. Dazu mussten erst einmal das westliche und östliche Tor geschlossen werden. Um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, fuhr ein Zweierteam mit einem Streifenwagen auf den Platz und verschloss die Ausgänge.

Keiler wird richtig sauer

Zuerst schien die Idee von Erfolg gekrönt zu sein. Doch als das Wildschwein merkte, dass es eingesperrt war, griff es an, rammte zuerst das östliche, dann das westliche Tor, wo Schaulustige und weitere Beamte sich gegen das Metall stemmten, damit der Schließmechanismus nicht aufsprang.

Nun wurde der Keiler richtig sauer, machte Jagd auf den nagelneuen Streifenwagen. Die Polizisten versuchten mehrfach, dem heranstürmenden Tier auszuweichen, doch bei dem knapp einstündigen Rodeo – verfolgt von immer mehr Zaungästen – blieben die Beamten mehrfach zweiter Sieger. Etliche Dellen an den Kunststoffteilen des Autos zeigten die Kraft, die das Tier sowohl mit seinem Körper als auch mit seinen Hauern einsetzte. Nicht einmal von der Größe des silber-blauen Gegners ließ es sich vom Angriff abschrecken.

Nach mehreren Attacken ließ der Keiler aber vom Auto ab, rammte noch einmal das östliche Tor – mit Erfolg. Das Schloss gab nach, das Tier flüchtete. Kurz darauf wurde es noch einmal auf der Langobardenstraße gesichtet, ehe das Wildschwein von dannen zog.

Rabiater Keiler hat auf Facebook schon Freunde

Der Auftritt des Keilers auf dem Bolzplatz der Suderwicher Gesamtschule wurde von zahlreichen Zaungästen verfolgt. Dabei soll der eine oder andere auch ein Video gedreht haben. Einer Augenzeugin gelang dabei eine längere Aufnahme (siehe unten). Laut Ramona Hörst seien die Fotos und Videos bereits der „Renner“ im Internet. Auf Facebook bekam der Keiler bereits einen neuen Namen. „Iwan“ heißt das rabiate Wildschwein.