Von wegen Frauenberuf

„Männerwirtschaft“: In der Awo-Kita „Regenbogen“ gibt es derzeit auch zwei Männer, die sich kümmern. Vor allem für die Jungen ein gutes Gefühl.
„Männerwirtschaft“: In der Awo-Kita „Regenbogen“ gibt es derzeit auch zwei Männer, die sich kümmern. Vor allem für die Jungen ein gutes Gefühl.

Herten. Rocklady Ina Deter hat’s anscheinend schon immer gewusst: 30 Jahre ist es her, dass sie lautstark und publikumswirksam forderte: „Neue Männer braucht das Land“ – und das im selben Moment sogar auf jede Wand sprühen wollte. Sprayer sieht man gleichwohl ungern, und ob gleich das ganze Land neue Männer braucht, ist auch die Frage. Kindertagesstätten aber, und davon gibt’s natürlich jede Menge, die haben Bedarf.

Zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt im Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen bietet die rebeq GmbH, die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft im Kreis Recklinghausen, seit gut einem Jahr dieses Modellprojekt an: ,,Kids at work“, Teil der bundesweiten und vom Bundesfamilienministerium und dem Sozialfonds der EU geförderten Initiative ,,Mehr Männer in Kitas“. Das Ziel liegt auf der Hand: „Kids at work“ will junge Männer für den Beruf des Erziehers begeistern.

In ausgewählten Kindertagesstätten im Kreis stellt die Awo seitdem Praktikumsplätze für Männer ab der 9. Klasse zur Verfügung. Vier Wochen, mitunter auch länger, vor einigen Monaten etwa in der „Scherleburg“ in Scherlebeck.

Was genau auf junge Männer wartet, die mit dem Gedanken spielen, vielleicht einmal Erzieher zu werden, ist individuell sicher unterschiedlich. Klar aber ist: Gerade für Jungen sind Erzieher oft eine enorm wichtige Bezugsperson, und auch die vielen Frauen und Mädchen in den Kindertagesstätten dürften sich sicherlich freuen, wenn „endlich auch mal ein Mann im Haus ist . . .“

Die Möglichkeit auf ein richtungsweisendes Praktikum bietet etwa die Awo-Kindertagesstätte „Regenbogen“ an der Clemensstraße, eine Einrichtung, in der unter der Leitung von Sonja Panzer 75 Kinder im Alter von 3-6 Jahren in drei Gruppen betreut werden. Zwei Erzieherinnen, ein Erzieher und drei Kinderpflegerinnen, die sich kümmern.

Einer, der wenigen „Kerle“ im „Regenbogen-Haus“ ist Erzieher Marcus Fuchs, der aktuell zusammen mit Dustin Radtke (Freiwilliges Soziales Jahr) die männliche Fahne schwenkt. Zwei, die nahezu täglich erleben, wie wichtig auch Männer sind in diesem „klassischen Frauenberuf“. Für Fuchs jedenfalls ist sein Beruf auch sein Traumberuf: „Man kann mit den Kindern jede Menge Spaß haben, auch wenn die Arbeit manchmal natürlich anstrengend ist.“

Die Chancen, als Mann einmal einen Platz in der Kinderpflege oder -erziehung zu bekommen, stehen durchaus gut – vor allem mit einem Praktikum im Rücken. Gibt es die Tagesmutter seit Jahr und Tag, tauchen mittlerweile auch die ersten Tagesväter auf, zumindest hier und da. Männer, die Kinder pflegen, beruflich bedingt auf sie aufpassen, sie bespaßen, vielleicht auch ein Stück weit erziehen – das passt. Ein Anfang, so scheint es, ist gemacht. Und jetzt, Frau Deter?

Jugendliche, Heranwachsende und Schulen, die sich für eine Teilnahme an dem Projekt interessieren, können sich an Projektleiterin Katharina Klein wenden (0176 19 00 34 95 oder k.klein@awo-msl-re.de). Weitere Informationen gibt’s zudem im Internet über www.mehr-maenner-in-kitas-awo.de oder auch www.koordination-maennerinkitas.de.
Durch ein Praktikum in einer Tageseinrichtung für Kinder, so der Plan, sollen junge Männer ab der 9. Klasse den normalen Alltag eines Erziehers näher kennenlernen, um den Beruf als durchaus reelle Alternative in ihre engere Wahl zu ziehen.

 
 

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