Von der Couch zur Kunst-Kate

Frohe Farben: Die Couch passt zur Grafik – ist aber nicht Heinrich Maas’ Therapie-Möbel. Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool
Frohe Farben: Die Couch passt zur Grafik – ist aber nicht Heinrich Maas’ Therapie-Möbel. Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool
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Heinrich Maas war vor 33 Jahren der „erste Psychologe“ im Vest. Der „Nebenerwerbskünstler“ öffnet zu seinem 65. die Praxisgalerie.

Recklinghausen.. Für die schöne Wortschöpfung „Nebener­werbs­künstler“ könnte Heinrich Maas Titelschutzrechte reklamieren. Der Psychologe, Grafiker, Bildhauer und Bauernsohn prägte für sich den Begriff für seine Passion nach dem Vorbild des Nebenerwerbs-Landwirts.

Und in tiefer Ländlichkeit, auf einem einstigen Tagelöhner-Kotten, eineinhalb Kilometer vom elterlichen Hof in Geldern am Niederrhein, hat sich der 65-Jährige seine „Kunst-Kate“ eingerichtet: „Das ist keine Galerie, sondern ein richtiger Rückzugsort, ohne Fernsehen.“ Ist aber die Maas’sche Kunst erst „gefunden, gedruckt, behauen und bemalt“, wie er sagt, dann soll sie auch ihr Publikum finden: Zu jenem Geburtstag, an dem andere ihr Rentnerdasein beginnen, schenkt sich Heinrich Maas eine Ausstellung in den eigenen vier Wänden.

Dabei sind Praxisräume, Treppenhaus, Wohnung und der kleine Garten in Hillen eigentlich „Show-Rooms“ in Permanenz. Maas’ Blätter hängen über der Therapeuten-Couch, seine beständigsten Stein-Skulpturen machen aus dem Gärtchen eine elegante bis bizarre Fels-Landschaft en miniature.

Die Verbindung von schroff und ornamental verweist auf die Reiselust die Seelenarztes – übrigens, wie er mit Berufsstolz anmerkt, des „ersten Psychologen im Kreis Recklinghausen“, der vor 33 Jahren seine Praxis eröffnete. Maas’ Bildschöpfungen sind oft inspiriert von seinen Asienreisen. Am sichtbarsten auf dem Blatt einer Reisterrassen-Szenerie mit einsamem Haus. Aber auch die bildhauerischen Werke verweisen hier und da auf Stimmungen und Formempfinden chinesischer oder japanischer Kunst. In den abstrakten Drucken, fast ausnahmslos Unikate, sind es die festlichen bis frohen Farben, die den fernen Osten zu atmen scheinen. „Reisen ist für mich ganz wichtig“, bestätigt Heinrich Maas.

Und an seiner aktuellsten Kunst, sagt er, „kann ich meine beschwingtere Stimmung ablesen“: lichte Kupferstich-Blätter, denen man nicht ansieht, dass Verpackungen aus dem Supermarkt ihren Anteil hatten am Druckverfahren. „Aber die Wellpappe erkennen Sie immer wieder“, sagt der dem Experiment aufgeschlossene Künstler.

Geburtstags-Geschenke oder Kunst-Käufe seiner Praxisgalerie kommen übrigens dem berühmten Orgel-Projekt „As slow as possible“ in der Burchardikirche von Halberstadt zugute: Die Komposition des Avantgardisten John Cage „Organ 2 / ASLSP“ soll dort noch 627 Jahre lang erklingen. Für die Lutheraner im Harz ein „musikalisches Apfelbäumchen“ im Vertrauen auf eine lang anhaltend friedliche Zukunft. Heinrich Maas hat mit Freunden bereits ein „Klang-Jahr“ gesponsert: 2097 – das wäre sein 150. Geburtstag. Das „Klang-Jahr“ 2412 ist schon reserviert – ein weiter Blick, 400 Jahre voraus.

 
 

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