Vom „Doitschlandabend“ zum „Roadmovie“

Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool
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Katja Riemann und Gitarrist Arne Jansen präsentieren – erstmals vereint – „Wintermärchen“ und „Winterreise“

Recklinghausen.. Exklusiver kann eine Kreation für die Ruhrfestspiele kaum sein: entstanden während des Brunchs nach der letzten der Sonntags-Lesungen 2011. Franz Peschke fragte damals Katja Riemann und Arne Jansen: „Was macht Ihr denn als nächstes?“

Die Sängerin und Rezitatorin von „Friedensreich – ein Doitschland­abend“ japste gestern noch im gespielten Erschrecken: „Es war nur eine Idee, und Franz sagte: Im nächsten Jahr bei uns Premiere.“ Das Ergebnis des Brunch-Brainstorming im Juni vorigen Jahres heißt „Winter. Ein Roadmovie“. Heute um 19 Uhr beginnt die erste von sechs größtenteils ausverkauften Vorstellungen im Kleinen Theater. Sie habe sich „wahnsinnig gefreut über die Einladung“, betont Katja Riemann. „Für uns war’s ein Ritterschlag. Wir sind ja das totale Off.“

Rammstein-Lieder und Sibylle Bergs bissige Prosa: Das ist gar nicht so weit entfernt vom neuen „Roadmovie“. Katja Riemann und Arne Jansen sind übrigens die Ersten, die Heinrich Heines „Wintermärchen“ und Franz Schuberts Lieder der „Winterreise“ zu Texten Wilhelm Müllers in einen Abend zusammenbringen. Reisend sei sie selbst „oft erstaunt, verwundert, verletzt“ über dieses Land, sagt die Schauspielerin. „Ich verstehe die Rauheit und das Verschlossensein nicht.“

Arne Jansen, der vielseitige Jazz-Gitarrist, benennt die Tradition des romantischen Kunstliedes – und betont seinen „großen Respekt“. Die konzertante Lesung sei sowohl eine „Verneigung“, wie Jansen sagt, vor Schuberts Kompositionen „und etwas ganz Neues“.

„Ganz entspannt“ ist das Duo an die Arbeit gegangen, sagt Katja Riemann. Jeder behauptet „Deutschland, ein Wintermärchen“ zu kennen – „und keiner kennt’s wirklich“, so die 48-Jährige. Den Text des jüdischen Exilanten von 1843, „zur Zeit der totalen Zerstückelung Europas“, will das Duo mit seinen Aufführungen „durchbluten, es aktuell machen“. Harry Heines jüdischer Humor und Wilhelm Müllers Sentiment: „Das hat immer noch mit uns zu tun“. Und Winter, meint Katja Riemann, passt auch noch in diesen Mai: „Es ist ja auch acht Monate so in diesem Land.“

 
 

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