Vogel-Zählen im Vest

Die Stunde der Wintervögel (v.li.): Ulrike Kühler, Ulrich Nickel und Lilia Martens zählen für den Naturschutzbund (Nabu) Recklinghausen.
Die Stunde der Wintervögel (v.li.): Ulrike Kühler, Ulrich Nickel und Lilia Martens zählen für den Naturschutzbund (Nabu) Recklinghausen.
Foto: Oliver Mengedoht
Kohlmeisen tauchen am häufigsten auf – vor Amseln, Kleiber und Rotkehlchen. Auch einen Habicht sichtete Lilia Martens.

Recklinghausen..  Amsel, Drossel, Fink und Star – wie viele Schnäbel zählt die Wintervogelschar? Das wollte der Naturschutzbund (Nabu) im Kreis mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger herausfinden. Außerdem erklärten die Mitarbeiter interessierten Vogelliebhabern auf dem Gelände des Forsthauses in Recklinghausen das Vorgehen der Naturfreunde bei der Zählung.

Und so geht’s: Innerhalb einer Stunde wird die höchste Anzahl gesichteter Vögel, die gleichzeitig zu beobachten sind, notiert. „Das vermeidet Doppelzählungen“, erklärte Ulrich Nickel vom Nabu Recklinghausen. Dies sei die größte bundesweite Vogelzählung. Und jeder könne mitmachen, ganz bequem von zu Hause aus.

Wer die gefiederten Freunde vom heimischen Garten oder Balkon aus beobachtet und seine Beobachtungen übermittelt – telefonisch, per Post, online oder per Smartphone-App – kann sogar etwas gewinnen. Die Aktion habe keinen wissenschaftlichen Anspruch, aber eine hohe Aussagekraft, so Ulrich Nickel. „Wir möchten die Leute für die regionalen Vogelarten sensibilisieren“, sagt Ute Kühler, die Vorsitzende des Ortsverbandes Recklinghausen.

300 Meldungen allein am Samstag

Allein am Samstag gab es mehr als 300 Meldungen aus dem gesamten Kreisgebiet. Wie schon im Vorjahr war die Kohlmeise auch jetzt wieder der Spitzenreiter. Zehn Mal wurde der kleine Piepmatz mit dem auffälligen hellen Bauch und dem schwarzen Kopf gleichzeitig gesichtet. Auch Amseln, Kleiber und Rotkehlchen ließen nicht lange auf sich warten. Sogar einen Habicht konnte Vogelliebhaberin Lilia Martens ausmachen. „Oft fallen ihm die kleinen Vögel zum Opfer.“

Neben den natürlichen Feinden, wie Raubvögeln oder Katzen, ist es vor allem der Mensch, der den Lebensraum der heimischen Vögel einengt und die Populationen schrumpfen lässt. Die Berechnungen von der „Stunde der Wintervögel“ ergaben 2012 bereits, dass 300 000 Amseln im Rhein-Main-Gebiet am tropischen Usutu-Virus starben. Laut Nabu sei das zwar nicht bestandsgefährdend, aber regional seien die Verluste zu spüren. Auch die Spatzen-Population erholt sich langsam wieder.

Nach der Auswertung der Ergebnisse können die Naturschützer dann Maßnahmen ergreifen, die auch auf lange Sicht Lebensraum- und Arten-Schutz garantieren. „Beispielsweise können wir für mehr Nistkästen sorgen, wenn eine Population zu klein geworden ist“, erklärt Ulrich Nickel.

Trotz Temperaturen um die zehn Grad plus waren am Ende der Aktion alle Beteiligten ziemlich durchgefroren. „Wir hatten auf noch mehr Interessierte gehofft“, sagt Ulrich Nickel und blickt in den grauen Himmel. Immerhin, trocken ist es geblieben.

 
 

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