Trockener Roter passt fast immer

Ingeborg Molitor berät, welcher Wein zu welchem Gericht, welcher Wein zu Fisch und zum Dessert passt.
Ingeborg Molitor berät, welcher Wein zu welchem Gericht, welcher Wein zu Fisch und zum Dessert passt.
Foto: WAZ FotoPool

Recklinghausen.. Ingeborg Molitor lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Selbst die Frage, ob sie einen passenden Wein zu Currywurst mit Pommes kennt, bringt die Oenologin nicht aus der Fassung: „Das haben wir sogar schon im Ratskeller ausprobiert“, entgegnet sie lachend. Wein und auch Weintrinker sind eben keineswegs so elitär, wie sie manchmal gerne hochstilisiert werden.

„Mein Großvater hat den alten Weinkeller 1925 gegründet“, sagt die Weinexpertin. Nach dem Krieg sei er neu errichtet worden und „für sechs Monate der modernste Weinkeller Europas gewesen“. Bis in die 60er Jahre wurde hier Moselwein abgefüllt und an Gastronomie, Veranstalter und Lebensmittelläden verkauft, erzählt die 47-Jährige vor den urigen 1000-Liter-Weinfässern aus Eichenholz.

Es gibt einen Kran zur Straße hinauf, und eine Rampe „falls mal der Strom ausfallen sollte“, verrät Ingeborg Molitor schmunzelnd. 1972 wurde von ihren Eltern der Facheinzelhandel eröffnet – und auch der erste Weinmarkt zusammen mit Feinkost Rösing initiiert. Zum Jubiläum des 40-jährigen Bestehens soll der jetzt übrigens wieder größer werden, „wir beteiligen uns auch selber wieder“. Rotwein sei in Deutschland erst in den 70er und 80er Jahren modern geworden, „das kam mit dem Dornfelder, eine junge Rebsorte, mediterran anmutend, tiefrot und bezahlbar“.

300 bis 1000 Euro koste allein ein Fass, was erklärt, warum ein Superbilligwein nicht geht. „Da gibt es für mich eine moralische Schwelle, bei 1,50 Euro wird irgendjemand ausgebeutet.“ Knapp unter 5 Euro geht es bei Molitors los, die meisten Flaschen gibt es für 10 bis 30 Euro. Aus dem Urlaub kennt mancher den einfachen Tafel- oder Landwein, so etwas hat auch Oenologin Molitor, als Languedoc oder aus dem „Rheinhessischen Hinterland einen Silvaner für 4,20 Euro, der ist völlig in Ordnung zum Abendbrot“. Allerdings höchstens drei Jahre haltbar, bei guter Lagerung und etwas Glück. Weißwein sollte eher kühl verkostet werden, „je gehaltvoller, desto wärmer“.

Leichte Weine und Sekt also aus dem Kühlschrank mit 7 Grad, kräftigere wie Gewürztraminer, trockene Riesling-Spätlese oder Chardonnay ebenso eher nach ein paar Minuten an der Luft bei ca. 12 Grad, Rose bei bis zu 15 Grad. Dornfelder aus dem Fass, vornehmer Spätburgunder oder Bordeaux sollte eher 16 bis 18 Grad haben, „sehr fruchtige und kräftige Rote wie italienischer Barbera oder Beaujoulais auch ein bisschen kühler“, rät die Expertin. Zu Schweinefleisch würde sie halbtrockene bis trockene, etwas kräftigere Weißweine empfehlen, zum Spargel etwas leichtere, dezentere wie Weißburgunder oder Silvaner. Trockener Roter passe zu beinah allem, auch Fleisch vom Grill oder aus der Pfanne. Und zur Currywurst würde Molitor „nie etwas anders als Wein“ empfehlen, „ein fruchtiger Riesling würde gut passen, nicht zu trocken.“

Ganz normale Recklinghäuser seien ihre Kunden, Handwerker, Lehrer, Pensionäre, Firmen, „auch ganz einfache Leute mit lieblichem Dornfelder – das ist sicher nicht die Quintessenz hoher Weinkunst, aber in Ordnung. Wein muss Spaß machen!“

Einen Champagner Dom Perignan öffne man nicht nur, „weil er so wahnsinnig gut schmeckt, sondern auch, um zu zeigen, die Gäste sind es mir wert“, weiß die Oenologin.

 
 

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