Spargel macht Winterschlaf . . .

Überstunden: Da der Sturm immer wieder Folien von den Dämmen fegt, muss Heiner-Schulte-Scherlebeck regelmäßig Kontrolle  auf seinen Feldern machen.
Überstunden: Da der Sturm immer wieder Folien von den Dämmen fegt, muss Heiner-Schulte-Scherlebeck regelmäßig Kontrolle auf seinen Feldern machen.
Foto: WAZ FotoPool

Herten..  Allen Prognosen zum Trotz: Immer wieder mal macht die Natur, was sie will, lässt sich ihren Rhythmus einfach nicht diktieren und auch nur ungern in die Karten gucken. Gab’s zum Frühlingsanfang in den letzten beiden Jahren noch Sonne satt, so ist es aktuell kalt wie lange nicht mehr Mitte, Ende März. Der schneidende Ostwind kennt einfach kein Pardon, und auch in der Ried zieht das Wetter seine Kreise, bringt die Spargelbauern aber nicht aus der Ruhe. Noch nicht.

Rückblende. In den vergangenen zwei Jahren gab’s bereits zu Ostern frischen Spargel zu kaufen. Spargel made in Herten, gezogen, gewachsen und gestochen auf den Feldern der Region und nicht in irgendeinem seelenlosen Treibhaus. Der Hauptgrund: eindeutig das Wetter. 2011 lag Ostern vergleichsweise spät (Ostersonntag: 24. April). Im letzten Jahr wiederum war Ostersonntag bereits am 8. April, was letztlich darauf schließen lässt, dass das Datum selbst seinerzeit nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat, weil’s zuvor einfach lange durchgehend schön warm war.

„Das“, sagen Profis wie Heiner Schulte-Scherlebeck oder Willi Heine, die beide seit Jahren im Spargeldorf das königliche Gemüse anbauen, „war aber eine echte Ausnahme und irgendwie so gar nicht normal“. Aktuell liefe alles nach Plan. Zwar könne man sich Hertener Spargel zu Ostern diesmal abschminken, weil der Ostersonntag sogar schon auf den 31. März fällt und laut Schulte-Scherlebeck „derzeit noch keine wirkliche Vegetation im Boden ist“, die zweite, dritte Aprilwoche aber sei ein durchaus realistisches Ziel für die erste Ernte.

Vermarktung: acht Wochen

„Die Dämme sind warm, jetzt noch fünf, sechs Tage mit zehn bis 13 Grad, und alles ist gut“, ist auch Willi Heine (54) vergleichsweise entspannt. Ein vom Vater gelernter „Indianertrick“ und auch die günstige Lage seiner Felder hätten ihm geholfen, dass trotz des regelmäßigen Sturms aktuell noch kaum eine Folie flöten gegangen ist. „Wir pflanzen unseren Spargel so es geht in Ostwest-Richtung“, womit man dem Ostwind irgendwie den Wind aus den Segeln nimmt. Westwind sei ohnehin kein Problem

Schulte-Scherlebeck dagegen, der mit 20 Hektar auch eine weit größere Anbaufläche bewirtschaftet, muss regelmäßig Kontrolle machen und Hand anlegen, weil der Sturm viele seiner Folien, die die wenige Wärme im Tunnel halten sollen, immer wieder mal von den Dämmen pustet. „Von Winde verweht“ ist aber zum Glück kein Thema, denn der 44-Jährige hat alles mit Pflöcken gesichert, damit sich keine Folie selbstständig machen kann und mitunter eine Gefahr etwa für Autofahrer wird.

Der Druck nimmt aber zu „Was wir in den vergangenen beiden Jahren noch in zehn Wochen vermarkten konnten, das müssen wir alsbald nun in acht Wochen verkaufen“, so Heiner Schulte-Scherlebeck, der damit rechnet, dass es in zwei bis drei Wochen endlich losgeht mit der Ernte. Den 10. April hat sich Nachbar Willi Heine als möglichen Starttermin ausgeguckt. „Wir werden wohl wieder ähnlich viel ernten wie zuletzt, die Saison aber können wir daher nicht verlängern“, denn für die Kunden bilde stets der Johannistag (24. Juni) das traditionelle Ende der Spargelzeit.

 
 

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