Siegfried Groß ist sauer auf die UBP

Siegfried Groß ist Bergbau-Rentner und politisch interessiert. Einer Partei gehört er aber nicht an. Umso tiefer ist der 61-Jährige nach eigenen Angaben aus allen Wolken gefallen, als er vor wenigen Tagen aus unserer Zeitung erfuhr, dass er und seine Gattin Direktkandidaten der Unabhängigen Bürgerpartei (UBP) für die Kommunalwahl am 25. Mai sind. Unglaublich, das habe ich nie gewollt, empört sich der Klein-Erkenschwicker.

Oer-erkenschwick. Aber: Siegfried Groß und seine Ehefrau Christel haben ein amtliches Formular unterschrieben und damit ihre Kandidatur für die UBP rechtsverbindlich gemacht. Zurücktreten können sie davon nicht. Eine solche Kandidaturerklärung ist laut NRW-Wahlgesetz unwiderruflich.

"Wir sind über den Leisten gezogen worden", steht für Siegfried Groß fest. Wie der 61-Jährige berichtet, haben er und seine Ehefrau im März Besuch von Klaus Mathwig bekommen. Mathwig ist Vertrauensmann der UBP, die sich in diesem Jahr erstmals bei der Kommunalwahl in OE um Stimmen bewirbt. "Den Klaus kenne ich von früher von der Arbeit. Der hat mit gesagt, dass er Unterschriften braucht, um hier eine neue Partei gründen zu können. Und weil ich das prinzipiell nicht schlecht finde, haben meine Frau und ich ihm vertraut und unterschrieben." Aber ganz offensichtlich, ohne sich das Formular genau durchzulesen.

Klaus Mathwig stellt den Vorgang auf Nachfrage unserer Zeitung anders dar: "Ich habe das Ehepaar Groß sehr wohl darüber aufgeklärt, dass es sich um eine Direktkandidatur für den Stadtrat handelt. Außerdem geht das aus dem Formular auch klar hervor." Mathwig verweist zudem darauf, dass Siegfried und Christel Groß bereits während der UBP-Versammlung zur Aufstellung der Kandidaten am 28. Februar nominiert worden sind. "Natürlich habe ich auch hier im Vorfeld mit dem Ehepaar Groß gesprochen." Siegfried Groß streitet das ab: "Niemals. Davon habe ich nichts gewusst."

Nachdem die Eheleute Groß nun aus unserer Zeitung von ihrer Kandidatenaufstellung erfahren hatten, haben sie Klaus Mathwig aufgefordert, sie umgehend von der UBP-Liste zu streichen. Wie die Stadtverwaltung bestätigt, erschien der UBP-Vertrauensmann am vergangenen Montag auch im Wahlamt, um zwei neue Kandidatenbögen mitzunehmen. Das Rathaus hat die Formulare dann am Dienstag, 8. April, ausgefüllt auf dem Tisch gehabt. Problem: Bereits am Montag, 7. April, endete um 18 Uhr die rechtsverbindliche Einreichungsfrist für Kandidatenvorschläge für die Kommunalwahl am 25. Mai. Und deshalb hat der städtische Wahlausschuss, der am Mittwochnachmittag getagt hat, die verspäteten UBP-Vorschläge zurückgewiesen.

Aber weil formell - wie bei keiner anderen Partei - auch bei der UBP keine Rechtsverstöße festgestellt wurden, ist nun auch die Unabhängige Bürgerpartei zur Kommunalwahl in OE zugelassen. Mit Siegfried und Christel Groß als Kandidaten wider Willen. "Ich rede noch einmal mit den Eheleuten Groß", sagt UBP-Mann Klaus Mathwig. Siegfried Groß kündigt an: "Ich rate jetzt jedem, die UBP bloß nicht zu wählen."

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