Schulhund Balous ist ein Pädagoge auf vier Pfoten

Eine Mutprobe für die Kinder ist es, wenn Balou über sie hinwegspringt.
Eine Mutprobe für die Kinder ist es, wenn Balou über sie hinwegspringt.
Foto: WAZ FotoPool
Der Labradorrüde Balou unterstützt seit Kurzem Lehrer und Pädagogen an der Gustav-Adolf-Gesamtgrundschule in Datteln. Balou ist Schul-Therapiebegleithund und hilft den Kindern, ruhig und konzentriert zu arbeiten sowie Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren.

Datteln.. Balou macht einen ganz entspannten Eindruck, auch wenn es einmal etwas kribbelig wird. Der dreijährige Labradorrüde kennt seine Aufgabe, denn er ist ein ausgebildeter Schul-Therapiebegleithund und „verstärkt“ seit kurzer Zeit das Kollegium an der Gustav-Adolf-Gesamtgrundschule.

Vanessa, Erik und Leonie legen sich im Klassenzimmer auf eine Decke. „Jetzt kommt eine Mutprobe“, klärt Lehrerin Claudia Nolte Lau auf. Die Kinder bleiben ganz ruhig liegen, und Balou springt über sie hinweg. Eine andere Situation: Der Hund nimmt ganz vorsichtig und zärtlich ein Leckerchen von der Brust eines Kindes.

Dem Tier kommt eine ganz besondere Aufgabe zu. Es unterstützt die Sonderpädagogin bei der individuellen Förderung der Kinder. „Hunde können Pädagogen bei ihrer schwierigen Arbeit sinnvoll und effektiv unterstützen, indem sie als soziale Katalysatoren fungieren und emotionale und soziale Kompetenzen trainieren. Sie haben keine Vorurteile, sind optimale Zuhörer und trainieren die nonverbale Kommunikation“, weiß Claudia Nolte Lau, die bereits an einer Schule in Recklinghausen mit Balou positive Erfahrungen im Unterricht gesammelt hat.

Kinder arbeiten konzentrierter

Die Kinder arbeiten ruhiger, disziplinierter und konzentrierter, wenn der Hund dabei ist, weil sie Rücksicht auf ihn nehmen und ihn in der Klasse behalten möchten. Darin liegt ein Ziel der hundegestützten Pädagogik. Es kommen aber noch andere hinzu: die Rücksichtnahme auf Bedürfnisse anderer Lebewesen, Abbau von Ängsten, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein stärken oder die Wahrnehmungsförderung.

Balou ist ein richtiger Lernpartner und führt vor, dass er sogar rechnen kann. Was ein Hund kann, kann ich wohl auch, dürfte manches Kind denken. Vanessa liest dem Vierbeiner aus ihrer Fibel vor, der ruhig zuhört. Jetzt will Luca auch lesen lernen. In der Gruppe befindet sich auch ein autistisches Kind, dass unter Berührungsängsten litt. Es hat im Umgang mit Balou gelernt, diese Ängste zu bewältigen und in Minischritten auch den eigenen Körper kennenzulernen.

Kinder lernen mit Hunden Grenzen zu setzen

Hunde brauchen und suchen klare Grenzen und Regeln. Die Kinder lernen im Umgang mit dem tierischen Klassenkameraden, diese Grenzen zu setzen, erfahren aber auch, dass ihr Sozialpartner eigene Grenzen hat und diese beachtet wissen will. „Die Kinder lernen die Körpersprache des Hundes kennen“, sagt Claudia Nolte Lau. Balou bringt dann auch zum Ausdruck, wenn es ihm zu viel wird, schleppt ein Kissen durch die Klasse und legt sich unter einen Tisch.

Claudia Nolte Lau: „Die Konzentrationsphase dauert zehn bis 15 Minuten. Dann ist erst einmal eine Pause notwendig.“ Balous Einsatz im Klassenunterricht sowie bei Einzel- und Gruppenförderungen geht über vier Tage in der Woche. Mittwochs ist sein Ruhetag. Dann kann er ausschlafen, den Geräuschpegel vergessen und mit anderen Artgenossen toben.

 

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