Retter in luftiger Höhe

Die Feuerwehren im Kreis Recklinghausen haben eine Höhen- und Tiefenretter-Truppe: 20 gut trainierte Männer. Mittwoch probten sie auf dem Gerüst des historischen Schiffshebewerks Henrichenburg den Ernstfall.

Waltrop.. Es galt mit einer Trage einen Patienten von der Plattform zu holen, der sich selbst nicht mehr helfen konnte. Im anderen Fall ging es um die Rettung eines Menschen, der sich mit einem Sprung aus der Höhe das Leben nehmen wollte. "Windkraftanlagen, Funktürme von Mobilfunkbetreibern, überall können Menschen, die dort arbeiten, in Not geraten", sagt Michael Dolega Höhenretter-Ausbilder bei der Feuerwehr Marl.

In Marl nahm die Spezialeinheit Höhen- und Tiefenrettung 1999 ihren Anfang. Seit 2011 bilden die Feuerwehren Recklinghausen, Marl und Herten mit einem 20 Mann starken Team eine Einheit, um im gesamten Kreis Menschen aus ungewöhnlichen Höhen und Tiefen zu retten. Das Schiffshebewerk stand mit auf dem Übungsplan für diese Woche - nicht zuletzt, weil hier im Sommer ein Besucher auf der Aussichtsplattform einen Herzinfarkt erlitten hatte und sich selbst nicht mehr helfen konnte. Auch in diesem Fall waren die Höhenretter im Einsatz. Fünf bis sechs Höhenretter werden pro Einsatz benötigt, erklärt Dolega.

Die Gesamtzahl von zwanzig Mitgliedern für den Kreis habe sich bisher bewährt. Ob sie fitter sein müssten, als die "normalen" Feuerwehrleute, wollte Michael Dolega nicht behaupten. Ohne eine gute Grundfitness käme kein Feuerwehrmann aus. 72 Übungsstunden im Jahr verordnen sich die Höhenretter, um in Form zu bleiben. 40 Stunden werden allein in dieser Woche abgeleistet. So stehen für diese Woche neben dem Schiffshebewerk Henrichenburg Höhen-Übungen auf der Halde Hoheward und der Zeche Ewald in Herten sowie eine Tiefenrettung in einem Fernwärmeschacht auf dem Plan.

Was die Retter mit Besorgnis betrachten, ist die kontinuierliche Zunahme übergewichtiger Patienten, die den normalen Rettungsdienst überfordern. "Wir müssen sie dann durchs Fenster nach draußen bringen", sagt Michael Dolega. Seine schwerste Fracht war ein Patient, der 280 Kilogramm wog.

EURE FAVORITEN