Rethmann-Gruppe breitet sich immer weiter aus

Aus der Tierkörper-Beseitigungsanstalt hat hat sich in den Jahren eine komplexe Anlage entwickelt.
Aus der Tierkörper-Beseitigungsanstalt hat hat sich in den Jahren eine komplexe Anlage entwickelt.
Foto: Hans Blossey
Das Entsorgungsunternehmen Rethmann in Marl breitet sich immer weiter aus. Weit verstreute Nachbarn haben Angst vor Gestank und Lärm. In den Jahren hat sich aus der Tierkörper-Beseitigungsanstalt eine komplexe Anlage entwickelt.

Marl.. Was kann man schon dagegen haben, wenn ein weltweit tätiges Entsorgungsunternehmen wie Rethmann in Marl für 54 Millionen Euro 270 neue Arbeitsplätze schaffen will? Aber müssen die weit verstreuten Anlieger zwischen Frentrop und Polsum auch Lärm, Gestank und einen Industriekomplex mitten in bäuerlicher Landschaft hinnehmen?

Es geht um die Rethmann-Gruppe, die sich seit Jahrzehnten in kleinen Schritten ausweitet und demnächst den ganz großen Schritt plant. Gestern im Marler Rathaus ging es erst einmal um eine Erweiterung der Knochen- und Fett-Union (KFU), ein Erörterungstermin im Genehmigungsverfahren. 16 Firmen- und Behördenvertretern sitzen 19 Bürgern gegenüber. Es ist ein „Probelauf“ für die große Diskussion, die am Donnerstag um 15 Uhr im Rat losgeht.

Angst vor noch mehr Lärm und Gestank

Die Bürger haben in erster Linie Angst vor noch mehr Lärm und Gestank. KFU arbeitet rund um die Uhr. Knochen werden in Mulden angeliefert, werden zerkleinert, getrocknet und in Mehl und Fett getrennt. Das Absetzen der Mulden ist bis zu 123 Dezibel laut. „Wir sitzen dann senkrecht im Bett“, erzählt ein Anlieger. Die Behörden- und Firmen-Vertreter erläutern die Berechnungsmethoden: Umgelegt auf die ganze Nacht ist das noch in Ordnung. Die Bürger haben Schwierigkeiten, das zu verstehen.

Außerdem stinkt es. Dagegen können die Firmenvertreter nicht argumentieren. „Das ist nicht geruchsfrei.“ Aber man könne sich doch beschweren. Und wenn sich keiner meldet, dann sei wohl alles in Ordnung, argumentiert die Kreisverwaltung. „Bis jemand draußen ist, ist der Geruch weg“, halten die Anlieger dagegen. Man hat sich schon an den Gestank gewöhnt. Die Firmenvertreter versprechen, noch genauer hinzugucken, dass die Rolltore auch immer geschlossen sind.

Verkehrsregelung ist Sache der Stadt

Immer wieder überschreiten die Sorgen der Anlieger die Themengrenzen. Gestern ging es nur um Immissionsschutz. Die Verkehrsregelung ist Sache der Stadt. Die Biogasanlage ist kein Thema. Für den vorgesehenen neuen Brunnen ist eine andere Abteilung zuständig. Die Zuhörer murren: „Salami-Taktik“. Für sie ist der Termin ein Probelauf für das Großprojekt, für das die heutige Betriebsfläche mehr als verdoppelt werden soll.Die Zuhörer bekamen auf alle Fragen Antworten. So lange, bis keiner mehr eine Frage hatte. Trotzdem wollten sie am Ende ihre Einwände nicht zurücknehmen. Nun wird darüber entschieden. Dass KFU seine Produktionslinie demnächst mehr als verdoppeln kann, daran hatten sie nach drei Stunden keinen Zweifel.

 

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