Polizei will ein Zeichen setzen

Kontrolliert wurde jeder der 340 Besucher der Clubheimeröffnung.Foto: Lutz von Staegmann
Kontrolliert wurde jeder der 340 Besucher der Clubheimeröffnung.Foto: Lutz von Staegmann

Recklinghausen.. Es war eine Demonstration der Polizei und eine Warnung gegenüber dem Rockerclub Bandidos. Die Ordnungsbehörde machte bei der Eröffnungsfeier des neuen Clubheims in der Innenstadt klar, dass Recklinghausen kein rechtsfreier Raum ist.

Anlass für den Großeinsatz mit mehr als 200 Beamten war zwar die Eröffnungsfeier, zu der 340 Gäste aus dem Rockermilieu der Bandidos kamen. Die Ursachen für die massiven Aktionen gegen Mitglieder und Unterstützer des Recklinghäuser Rockerclubs, der über 30 Mitglieder zählt, war wohl ein Vorfall einige Tage zuvor. Gut vier Dutzend Bandidos hatten sich vor einer Gaststätte in der Innenstadt aufgebaut, weil sie eine Rechnung mit einem DJ zu begleichen hatten, hieß es von Seiten der Ordnungsbehörden. Es blieb bei der Drohgebärde. Doch auch dies will man nicht dulden.

Beamte mit Maschinenpistolen

Am Freitagabend machte die Polizei deutlich, dass es ihr ernst ist. Die Innenstadt rund um das Vereinsheim war hermetisch abgeriegelt. Beamte mit Maschinenpistolen sicherten zentrale Punkte ab. Alle 340 Besucher wurden kontrolliert. Unter anderem sind ein Schlagstock, Messer, Reizgas sowie Schutzbewaffnung in Form von Quarzsandhandschuhen sichergestellt. Vier Besuchern wurde ein Platzverweis erteilt. Die Polizei hat drei Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und des Versammlungsgesetzes eingeleitet. Mitarbeiter des Ordnungsamts der Stadt kontrollierten außerdem die umliegenden Gaststätten. Es blieb ruhig.

Die wenigsten der 340 Besucher kamen mit Motorrädern, weil die Bandidos Schönwetterfahrer sind. „Die meisten melden ihr Motorrad nur ein halbes Jahr und erst ab dem 1. April an“, sagte ein Sprecher des Rockerclubs. Aller Fahrzeuge wurden auf dem Parkplatz am Paulusanger geleitet und durchsucht.

Dazu hatte sich die Polizei die Hilfe von Dekra-Fachleuten gesichert, die die Fahrzeuge auf ihr Verkehrstauglichkeit prüften. „Die Ergebnisse der Überprüfungen haben uns wichtige Erkenntnisse über die Szene gegeben“, sagt Einsatzleiter, Polizeidirektor Frank Schankin.

Die Bandidos selbst halten die Reaktion der Polizei für völlig überzogen. „Bei vereinsinternen Veranstaltungen ist noch nie etwas vorgefallen“, sagte ihr Sprecher Michael.

Polizei und Ordnungsbehörden werden die Aktivitäten der Bandidos im Auge behalten. Dies sagte Rechtsdezernentin Genia Nölle. Rechtlich hatte die Stadt keine Handhabe, um das Clubhaus, das nur einen Steinwurf weit vom Rathaus entfernt ist, zu schließen.

82-jährige Frau ist Vermieterin

Die Bandidos vom Chapter Recklinghausen haben das Vereinsheim ordnungsgemäß gemietet. Die Vermieterin ist eine 82 Jahre alte Frau. Als dies bekannt wurde, hatte Bürgermeister Wolfgang Pantförder, der um den Ruf der Stadt besorgt ist, mit der Vermieterin gesprochen. Doch sie war nicht bereit etwas zurückzunehmen. Sie sei froh das Objekt überhaupt einen Mieter gefunden zu haben.

Auch die Genehmigung für das Betreiben des Clubheims sei, so Genia Nölle, nicht zu verhindern. „Wir müssen abwarten, wie sich die Dinge entwickeln.“ Sollte sich herausstellen, dass von dem Clubheim nachweisbar kriminelle Taten ausgehen oder der Rockerkrieg Recklinghausen erfasst, bestünden Möglichkeiten für die Schließung.

 
 

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