Neues Licht im Kletterwald-Dickicht

Joachim Bachmann
Ein rasanter Spaß oder doch eher umweltschutztechnischer Unsinn? An Klettergärten scheiden sich viele Geister.
Ein rasanter Spaß oder doch eher umweltschutztechnischer Unsinn? An Klettergärten scheiden sich viele Geister.
Foto: Forest Adventure

Herten.  Es ist noch kein Seil gespannt und keine Plattform errichtet worden, gleichwohl sorgt der im Katzenbusch geplante Kletterwald seit Monaten für erhitzte Gemüter. Die Kritik von Parteien, Bürgern und Umweltschutzverbänden ist enorm, auch der SPD-Stadtverband macht da keine Ausnahme.

Bauleiter und Parkmanager Thomas Gräfer sowie Geschäftsführer Dirk Schröder vom potenziellen Investor Forest Adventures waren auf Einladung der SPD nun in der Stadt, um ihre Pläne vorzustellen und mehr Licht ins Informationsdickicht zu bringen. Frühzeitig. „Wir haben einmal anderswo den Fehler gemacht und die Bürger erst nach Baubeginn informiert“, gab Schröder zu. „Da mussten wir Extra-Lärmgutachten anfordern, und die Anwohner hatten Bedenken wegen zusätzlichen Verkehrs.“ Auch eine Bürgerinitiative wurde in einer anderen Stadt gegründet, „doch die hat sich aufgelöst, weil wir alle Kritikpunkte Stück für Stück abgearbeitet haben“.

Der Plan: 40 000 Besucher

Auf über 7 Hektar soll der Kletterwald nach und nach ausgebaut werden, die Betreiber wollen 750 000 Euro investieren und rechnen in der Saison (April-Oktober) mit gut 40 000 Besuchern.

Gräfer: „Es wird 75 Parkplätze und eine Basisstation am Sportplatz rund 200 Meter von der Wohnbebauung entfernt geben und natürlich auch ein Lärmgutachten.“ Zum Vergleich: Man habe bereits Anlagen nur 40 Meter von Häusern entfernt gebaut, „auch da aber gibt es keinerlei Probleme“.

Vom Areal sind Gräfer und Schröder begeistert. Hohe Buchen, ein toll gepflegter Bestand, jede Menge Wege – „so etwas hatten wir noch nicht, eine gute Ergänzung zum bestehenden Sportplatz“. Damit kein Baum geschädigt wird, sollen Klammern die Stämme umschließen, Plattformen aufgesetzt werden. Im Kassenbereich errichtet man Laufstege, damit der Boden nicht durch die Besucher verdichtet wird.

Fördergelder, wie hier und da befürchtet, müssten ebenfalls nicht zurückgezahlt werden. „Der Katzenbusch bleibt als Freizeitfläche voll erhalten und begehbar“, so Baurat Volker Lindner. „Und falls Forest Adventures mal pleite geht, wird das Gebiet wieder in den Urzustand versetzt. Dafür bilden wir bei Banken Rücklagen“, beruhigt Schröder die besorgten Bürger. Und: „Die anderen Parks laufen gut, so dass wir auch bei 30 000 Besuchern keine Probleme hätten.“

Firmenpleite ist abgesichert

Alternative Standorte wie etwa das Ewald-Gelände sind für Schröder kein Thema, da man bewusst auf das Naturerlebnis in dem schönen Buchenbestand setze. „Wir werden auch keinen Baum fällen, es sei denn, er ist krank und stellt eine Gefahr dar. Aber das entscheiden Gutachter, deren Ergebnisse unabhängig geprüft werden können.“

Zuversicht auch bei Baurat Lindner, der sich in anderen Kletterwäldern der Firma über das naturnahe Konzept informiert hat. „Ich gehe da zwar nicht drauf, weil es mir zu hoch ist, aber das Projekt ist gut für Herten, zumal auch die neue Radwegtrasse direkt am Areal vorbeiläuft. Und wenn wir Interessenten finden, eröffnen wir auch noch einen Kletterpark auf Ewald.“

Unterm Strich konnten die Kritiker feststellen, dass die Betreiber umfassend, offen und ehrlich berichtet haben, sich selbst um Abfall und die Pflege der Bäume kümmern. Ob’s ihre ablehnende Haltung indes geändert hat?

Forest Adventures wurde 2006 gegründet und betreibt Kletterwälder in Wetter, Vierheim, Friedrichsdorf und bald auch in Gießen. Von April bis Oktober (Do-So) kann man dort klettern (3 Stunden: 8-15 Euro).Das Team in Herten sollen vier feste Mitarbeiter und bis zu 30 Schüler/Studenten bilden.