Neues Buch über Hebewerke und Schleusen

Vier Autoren haben ihr Wissen im Schleusenparkbuch zu Papier gebracht: Konrad Kempkes, Museumsleiter Herbert Niewerth, Michael Braun und Reinhard Jäckel (v.l.). Foto: Joseph-W. Reutter
Vier Autoren haben ihr Wissen im Schleusenparkbuch zu Papier gebracht: Konrad Kempkes, Museumsleiter Herbert Niewerth, Michael Braun und Reinhard Jäckel (v.l.). Foto: Joseph-W. Reutter
Foto: WAZ FotoPool

Waltrop.. Eigentlich müsste der Anwärter auf den Adelstitel „Weltkulturerbe“ Schiffshebewerk Oberwiese heißen. Eigentlich. Warum altes und neues Hebewerk den Namen Henrichenburg tragen, ist dem ursprünglichen Bauplan für den Dortmund-Ems-Kanal anno 1889 geschuldet.

Der sah einen Streckenverlauf von „Dortmund bzw. Herne über Henrichenburg, Münster, Bevergen und Papenburg nach der unteren Ems“ vor. Als 1891 die Streckenverlegung auf Waltroper Gebiet erfolgte, erhielt das geplante Abstiegsbauwerk der Einfachheit halber die Bezeichnung Schiffshebewerk bei Henrichenburg. Das „bei“ fiel später weg – und so sorgt der Name des Castrop-Rauxeler Stadtteils bis heute bei Ortsfremden für Verwirrung. Ein 180 Seiten starkes, handliches Buch klärt über diese wie andere Geschichten auf. „Der Schleusenpark Waltrop“ aus der Feder von Michael Braun, Reinhard Jäkel, Konrad Kempkes und Herbert Niewerth beleuchtet Wissenswertes rund um dieses – laut Museumschef Niewerth – weltweit einmalige Ensemble aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Menschen, die für 20 Pfennig Stundenlohn am Bau schufteten, kommen vor. Man lernt die Anwohner der Bauernschaft Oberwiese, die mit dem Kanal- und Hebewerkbau aufblühende Gastronomie zu Kaisers Zeiten, Schifffahrt und Handel im Wandel kennen. Oder den Alltag der Binnenschifferfamilien.

Über ein Jahr hat das Autorenquartett Fakten zusammengetragen, Fotos gesichtet, geschrieben. Und wenngleich alle Vier Insider sind, gab es immer noch „Aha“-Momente. „Hier ist ein späteres Industriedenkmal mitten in eine Agrarlandschaft gebaut worden“, sagt etwa Stadthistoriker Reinhard Jäkel. Was das nicht alles mit dem Raum und vor allem den Menschen angestellt habe. „Da wurden Kotten einfach umgesetzt.“ Heute kaum vorstellbar. Von Widerständen war damals jedoch noch keine Rede.

Die kamen später, in den 1970er Jahren.13 Häuser hätten der neuen Schleuse weichen müssen, wären die ursprünglichen Pläne realisiert worden. Die Anwohner gingen dagegen an – und konnten bleiben. Die Planer hatten sich für die raumsparende Variante entschieden und die neue Schleuse zwischen die beiden Hebewerke gebaut.

Auch Waltrops Umweltbeauftragter Konrad Kempkes hat bei der Arbeit dazu gelernt. Zum Beispiel, was es mit dem Turm am Haus der Gaststätte „Papachristos“ auf sich hat. Ganz einfach: Der wurde einst als Ausguck auf den Kanal genutzt. Zu sehen gab es aber schon früh auch an der Wasserkante etwas. 1897 beispielsweise, als der Dortmund-Ems-Kanal erst in Teilstücken fertig gestellt war, da tuckerten bereits die ersten Fahrgastschiffe über das Wasser.

„Der Schleusenpark Waltrop“ hat das Format des Buches über die Zeche Waltrop, an dem der Vierte im Bunde, Michael Braun, vor einigen Jahren mitgearbeitet hat. Der Waltroper Journalist und Medienpädagoge umreißt im neuen Nachschlagewerk den wesentlichen Einfluss der Internationalen Bauausstellung (IBA „Emscher Park“ 1989 bis 1999) als Ursprung für einen Schleusenpark Waltrop als Gesamtheit. Und er benennt im wegbegleitenden Reiseführer Schritt für Schritt Besonderheiten der Anlage.

Natürlich darf ein Buch über den Schleusenpark – und sei es auch weit hinten – den Kampf für den funktionstüchtigen Erhalt des neuen Hebewerks sowie um die Anerkennung als Weltkulturerbe nicht unerwähnt lassen. Was aber nicht drin steht: Zwischen 14 000 und 15 000 Unterschriften für das neue Hebewerk in voller Funktionstüchtigkeit hat der Freundeskreis um Herbert Niewerth, Konrad Kempkes und Jürgen Siebert inzwischen gesammelt.

„Der Schleusenpark Waltrop“ ist in einer Erstauflage von 1000 Exemplaren im ISB Verlag erschienen. Kosten: 9,80 €. Erwerben kann man das Werk im Buchhandel oder im Museumsshop am Industriemuseum Altes Schiffshebewerk Henrichenburg.

 

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