Moderne Moschee ist genehmigt

So soll es mal aussehen, das neue Kulturzentrum samt Moschee an der Dortmunder Straße.
So soll es mal aussehen, das neue Kulturzentrum samt Moschee an der Dortmunder Straße.

Recklinghausen..  Sie müssen noch an der Finanzierung feilen. Aber eines ist seit Freitagabend gewiss: Die 140 Familien der islamischen Gemeinde an der Dortmunder Straße, die dem Verband Islamischer Kulturzentren angehört, dürfen ein neues Kulturzentrum inklusive Moschee bauen. Bürgermeister Wolfgang Pantförder überreichte die Baugenehmigung an den Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Integration und Bildung (VFIB), Mehmet Ercoban, am Ende einer 90-minütigen Informationsveranstaltung, die über weite Strecke harmonisch und einvernehmlich verlief.

Zwischen drei und vier Millionen Euro sowie eine gehörige Portion Eigenleistung soll das dreigeschossige Neubau plus Keller und Staffelgeschoss an der Ecke Dortmunder Straße/Höhenweg kosten. Öffentliche Gelder, so Vorsitzender Mehmet Ercoban, erhalte die Gemeinde nicht. Sie finanziere sich ausschließlich durch Spenden und wollen endlich ein vorzeigbares Gebäude haben, das der Integration dienen soll und in dem sich die Mitglieder wohl fühlen können.

3000 QuadratmeterNutzfläche geplant

Auf dem 1916 m² großen Grundstück wird ein modern anmutender Bau mit einer Grundfläche von 789 m² und einer Nettonutzfläche von etwa 3000 m² mit Moschee, Freizeit- und Schulungsräumen, zwei Wohnungen, einem Ladenlokal sowie zwei getrennten Eingängen für Frauen und Männern entstehen. Zur Finanzierung dienen soll auch der Verkauf des Gebäudes an der Dortmunder Straße 196, in dem derzeit die Frauen-Moschee der Gemeinde untergebracht ist. Wann gebaut ist, ist noch ungewiss. Architekt Kazim Saltabas geht von einer insgesamt zweijährigen Bauzeit aus.

Die islamische Gemeinde an der Dortmunder Straße hatte sich 1977 gegründet und ist der älteste Moschee-Verein in Recklinghausen. Schon seit langem arbeitet er auf einen Neubau für das bestehende, 1898 errichtete Gebäude hin, das einst Brauerei und späte eine „ordinäre Kneipe“ war (Helmut Sorger vom Kinderschutzbund) und das in einem beklagenswerten Zustand sei. Risse in den Wänden, Schimmel und Geruch in den Räumen hätten dazu geführt, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohne. Während ein erster Bauantrag vor vier Jahren noch abgewiesen werden musste, gab es diesmal keinen Grund zur Ablehnung. „Wir halten uns an Bau- und Planungsrecht“, sagte Bürgermeister Wolfgang Pantförder. Der Verein habe ein Recht zu bauen und wisse auch um die Bedenken gerade aus der unmittelbaren Nachbarschaft.

Die früheren Eigentümer des jetzigen Moschee-Gebäudes hatten vor allem die Lärmbelästigung bis vor zwei Jahren durch spielende Kinder unmittelbar angrenzend an ihrem Grundstück beklagt und fürchteten nun, das auf den 18 geplanten Parkplätze hinter dem Gebäude erneut oft Fußball gespielt werden könnte. Sie nahmen das Versprechen des Vereins und ihres Vorsitzenden mit, dass die Gemeinde Rücksicht auf die Nachbarschaft nehmen werde. Bürgermeister Pantförder machte mehrfach deutlich, dass es Auflagen geben könnte, sollte die Gemeinde nicht im Rahmen der erarbeiteten Schallschutzprognose bleibe.

Moderation von PfarrerinKerstinSchütz im Oberlinhaus

„Warum soll die Gemeinde keine neue Moschee erhalten?“, hatte ein Teilnehmer des von Pfarrerin Kerstin Schütz moderierten Informationsabends im Oberlinhaus zuvor rhetorisch in die Runde gefragt. Das bisweilen Kinder in der Einrichtung übernachteten, sei nicht zu beklagen, sondern eher zu begrüßen. Bedenken, dass ein Internat gegründete werde, müsse niemand haben, hieß es. Und wie schon in der Vergangenheit bedürfe es auch in Zukunft einer Genehmigung des Jugendamts, sollten Kinder über einen längeren Zeitraum etwa in den Ferien in dem Gebäude übernachten.

Anwohner Hartmut Günzel machte eine Kehrtwende der Moschee-Gemeinde in den vergangen drei Jahren aus. Sie sei offener geworden und nun im Stadtteil integriert. Bedenken, dass der Verein eher einer Parallelgesellschaft Vorschub leiste, gibt es offenbar nicht mehr. Auch besagte Nachbarn sprachen von einem guten nachbarschaftlichen Klima in den vergangenen beiden Jahren.

 
 

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