Mit „Science-Fiction“ in die Antike

Die Olfener Münzfunde bestätigen für die Archäologin Dr. Bettina Tremmel die Datierung des Lagers während des zweiten Drusus-Feldzuges entlang der Lippe: 11 vor Christus.
Die Olfener Münzfunde bestätigen für die Archäologin Dr. Bettina Tremmel die Datierung des Lagers während des zweiten Drusus-Feldzuges entlang der Lippe: 11 vor Christus.
Foto: Iris-MEDIEN WR
Das künftige Archäologische Reservat des römischen Depots am Olfener Lippeufer erschließen Archäologen fast „berührungsfrei“.

Olfen.. Geo-Elektrik, Boden-Radar, Airborne-Laserscan: die modernen Methoden der Archäologie klingen zwar nach Science-Fiction. Für die Entdeckung und erste Erkundung des römischen Depots am Olfener Lippeufer kamen sie schon ganz gegenwärtig zum Einsatz.

Zunächst aber half das von den Bauern beklagte trockene Frühjahr, den viel publizierten „Sensationsfund“ überhaupt als solchen wahrzunehmen. „Wir sind anfangs von einem ganz kleinen Militärposten ausgegangen“, erklärte Dr. Bettina Tremmel, die in Olfen zuständige Ausgräberin des Landschaftsverbandes LWL. „Erst die Luftbilder brachten die große Überraschung.“ Allerdings ist das Zeitfenster denkbar klein, um auf einem bestellten Getreidefeld aus dem Flugzeug die Konturen zweitausend Jahre alter Erdarbeiten zu erkennen: „nur während drei Tagen“, wie die Archäologin erläutert: Sie zeigt im Luftbild auf die helleren Linien im noch grünen Feld: Erst die von der Ruhr-Universität Bochum gelieferten Aufnahmen machten deutlich, dass die Römer nicht nur den heute bewaldeten Uferhang am Kaninchenberg sicherten – sondern ein immerhin 5,3 Hektar großes Lager anlegten.

„Ein Lager hat auch ein Innenleben“, wie Bettina Tremmel sagt: Den „Röntgenblick“ ins Innere ermöglicht die Fleißarbeit ehrenamtlicher LWL-Mitarbeiter mit Hilfe der Magnetprospektion: Wie Kameraleute, die sich eine Steadycam umschnallen – an der allerdings Mikrofon-ähnliche Sonden befestigt sind – gehen die Helfer übers Feld: furchengenau. Das Ergebnis rechnen Computer um in schwarz-weiße „Röntgenbilder“ des Lagerlebens: Die Archäologin deutet die dunklen Punkte als „Abfallgruben in den Lagergassen“, die etwas größeren Flecken als die typischen kleinen Backöfen für die Paella-ähnliche Legionärskost, die sich jede Zelt-Mannschaft selbst zubereitete. Und die größeren Flächen im Bild, auf denen gar nichts zu sehen ist? Dort standen die Lebensmittel-Depots: als Ständerbauten gesichert gegen Insekten und Nager, wie es noch viele Jahrhunderte später auch bei den münsterländischen „Mäuseschuppen“ üblich war.

Die klassische Archäologie mit Spaten und Messbändern gab’s in Olfen „nur für wenige Tage“, wie Bettina Tremmel erläutert. „Im August haben wir einen Suchschnitt angelegt.“ Das LWL-Team war milde enttäuscht: „Der sehr schwere Lehmboden hinterließ nur schwache Verfärbungen.“ Als Laie muss man der Archäologin ohnehin einfach glauben, dass die dürftigen Muster einen typisch-römischen Spitzgraben markieren.

Ergiebiger für die archäologische Spaten-Arbeit könnten die antiken Lippe-Arme sein – deren Konturen im Weizenfeld ebenfalls auf den Frühlings-Luftbildern zu erkennen sind. „In römischer Zeit fächerte die Lippe in viele Arme auf“, weiß Bettina Tremmel. „Wahrscheinlich hatten schon die Römer einzelne Mäander abgetrennt, um den Wasserstand zu erhöhen.“

Drusus, der Stiefsohn des Augustus, der das Lager Olfen baute, schuf immerhin im Jahr vor seiner Lippe-Expedition kurzerhand den ersten Kanal zwischen Rhein und Ijsselmeer. „Die Manpower war ja da“, sagt die Archäologin – in Gestalt der Legionen.

 
 

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