Michael Groß geht für SPD nach Berlin

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Vest. Den Wahlkreis 123 (Marl, Herten, Haltern am See, Datteln und Oer-Erkenschwick) wird künftig Michael Groß als Nachfolger seiner Parteikollegin Waltraud Lehn vertreten. Aber der Schock über das Ergebnis der SPD im Bund überwiegt. Astrid Timmermann-Fechter (CDU) ist zufrieden.

Michael Groß wird den Wahlkreis 123 (Recklinghausen II) im Deutschen Bundestag als Abgeordneter vertreten. Der 53-jährige Sozialdemokrat aus Marl erreichte am Sonntag in den Städten Marl, Herten, Haltern am See, Datteln und Oer-Erkenschwick 42,57 Prozent der Stimmen (Beteiligung 71,85 Prozent). Im Ergebnis sehr stabil präsentierte sich Unions-Kandidatin Astrid Timmermann-Fechter mit 31,77 der Erststimmen.

Für das Land schlecht, für die Partei gut

Der erwartete Dritte war Bernd Michael Hübner von den Linken mit 9,96 Prozent. Im Sog der Bundespolitik konnte auch der Liberale Dr. Albrecht Moslehner mit 7,71 Prozent ein mehr als respektables Ergebnis erzielen.

War die Wahl von Michael Groß für viele nur die Bestätigung ihrer Erwartungen, brachte die Sozialdemokraten das Ergebnis im Bund völlig aus der Fassung. Desaströs, meinten manche. „Scheiße!”, sagte Waltraud Lehn (SPD, 62), die Vorgängerin von Groß in Berlin. „Das lässt sich mit keinem anderen Wort treffender beschreiben.” Für das Land, so Lehn weiter, sei das schlecht, für die Partei gut. Damit sprach sie an, was andere Genossen im Marler Rathaus nachdenklich formulierten: Eine Diskussion über die Ausrichtung der Sozialdemokratie müsse jetzt stattfinden, auch mit Blick auf die NRW-Landtagswahl im nächsten Jahr.

Michael Groß war auch in der Stunde seines persönlichen Erfolges bereit, sehr selbstbewusst Position zu beziehen: „Das sind ganz klar die Auswirkungen der Agenda-2010-Politik. Wir haben unser Wählerklientel dadurch verloren und wir haben versäumt, es wieder einzufangen. Wir hatten eindeutig ein Vermittlungsproblem.”

CDU-Kandidatin ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis

Das war auch der Grund, dass am Sonntagabend bei Groß eine echte Freude über den persönlichen Erfolg nicht aufkommen wollte. Von Sorgen um die Bundespartei getrieben sagte er: „Wir müssen starke Basisarbeit leisten und uns um die Verteilungsgerechtigkeit kümmern.”

Locker und gelöst war dagegen die Stimmung bei der Union und bei Astrid Timmermann-Fechter (40) in der Grubenausbauwerkstatt in Marl. Sie sagte: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis angesichts der Voraussetzungen, die ich als Erstkandidatin hatte. Und den schlechte Trend aus der Kommunalwahl haben wir stoppen können.”

Kandidat Partei Ergebnis 2009 Ergebnis 2005 Gewinne und Verluste
Michael Groß SPD 42,57 % 54,96 % -12,39 %
Astrid Timmermann-Fechter CDU 31,77 % 32,22 % -0,45 %
Dr. Albrecht Moslehner FDP 7,71 % 3,05 % +4,66 %
Siegfried Schönfeld B'90/Grüne 6,21 % 3,67 % +2,54 %
Bernd Hübner Die Linke 9,96 % 4,85 % +5,11 %
Jacqueline Kasper NPD 1,63 % 1,07 % +0,56 %
Paul Schlesinger MLPD 0,14 % 0,18 % -0,04 %
Partei Ergebnis 2009 Ergebnis 2005 Gewinne und Verluste
SPD 36,8 % 51,4 % -14,6 %
CDU 29,11 % 28,68 % +0,43 %
FDP 10,94 % 6,27 % +4,67 %
B'90/Grüne 7,41 % 5,43 % +1,98 %
Die Linke 10,51 % 5,54 % +4,97 %
NPD 1,12 % 0,86 % +0,26 %
Sonstige 4,14 % 1,81 % +2,72 %

Wahlbeteiligung 71,85 % (2005:78,63 %)

 
 

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