Menschenrecht oder Luxus

Prof. Dr. Boris Zernikow leitet den Kongress im Ruhrfestspielhaus.Foto:Rainer Raffalski
Prof. Dr. Boris Zernikow leitet den Kongress im Ruhrfestspielhaus.Foto:Rainer Raffalski
Foto: WAZ FotoPool

Datteln.  Ist die häusliche Versorgung sterbender Kinder ein Menschenrecht oder Luxus? Dieser Frage gehen Experten und Expertinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei den „7. Dattelner Kinderschmerztagen“ vom 21. bis 23. Februar im Recklinghäuser Ruhrfestspielhaus nach. Veranstalter ist wie in den vergangenen zwölf Jahren die Vestische Kinder- und Jugendklinik.

Dabei geht es nicht nur um die beste medizinische Versorgung schwerstkranker vom Tod bedrohter Kinder. Auch brisante politische Fragen sollen während des Kongresses diskutiert werden. Zwar haben in Deutschland Kinder mit lebensverkürzenden Krankheiten seit 2007 den gesetzlichen Anspruch, zu Hause versorgt zu werden, doch sieht die Praxis anders aus.

Denn die Umsetzung dieses verbrieften Anspruches scheitert häufig an der mangelhaften Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Gemeinsam wollen die Ärztinnen und Ärzte, Psychologen und Kinderkrankenschwestern und -pfleger aus den drei Ländern dafür eintreten, dass jedes schwer kranke Kind bis zuletzt das Recht auf ein Leben zu Hause und auf ein Leben ohne unnötige Schmerzen hat. Prof. Dr. Boris Zernikow, Chefarzt des Kinderpalliativzentrums Datteln und Kongresspräsident: „Uns alle bewegt die Frage, warum die Kostenträger in Deutschland, der Schweiz und Österreich sich so schwer tun, wenn es um die Finanzierung der Versorgung sterbender Kinder zu Hause geht, warum immer größere Anteile der Betreuung von Familien der chronisch kranken, hilfsbedürftigen Kinder durch Spenden und damit durch Solidarbekundungen der Gesellschaft finanziert werden und immer weniger durch reguläre Kostenträger.“

Deutliche Verbesserung erreichen

Europaweit sterben immer noch die meisten Kinder in einem Krankenhaus, weil eine häusliche Versorgung nicht gelingt – selbst in so reichen Ländern wie Deutschland, der Schweiz und Österreich nicht.

„Wir müssen noch in diesem Jahr eine deutliche Verbesserung für die Leistungserbringer der häuslichen Palliativversorgung von Kindern erreichen“, sind sich Prof. Friedemann Nauck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, und MdB Marlene Rupprecht, Vorstandsvorsitzende Deutscher Hospiz- und Palliativverband einig. „Die Kinder und Eltern verlassen sich auf die Kinderpalliativteams. Wir müssen aufpassen, dass die Teams nicht wieder aufgeben, weil seit sechs Jahren die Finanzierung hinterher hinkt“, gibt Andreas Müller, Leiter des spezialisierten ambulanten Palliativteams des Universitätsklinikums Dresden zu bedenken. Engagierte Kinderärzte und Kinderkrankenpflengende gebe es genug.

 
 

EURE FAVORITEN