„Meine Kinder sind ausgeflippt“

Oliver Mengedoht
Professor Charles McKay testet den Ampera: „Ich bin vom lautlosen und kraftvollen Fahren begeistert."
Professor Charles McKay testet den Ampera: „Ich bin vom lautlosen und kraftvollen Fahren begeistert."
Foto: WAZ FotoPool
Prof. Charles McKay von der Westfälischen Hochschule für Elektroautos in Gelsenkirchen unterzieht einen Opel Ampera dem Praxistest. Das Ergebnis überzeugt ihn nur bedingt.

Gelsenkirchen.  Klare Worte finden die Wissenschaftler der Westfälischen Hochschule für Elektroautos: „Ich glaube nicht so ganz an diese Technologie“, sagte etwa Professor Dr. Charles McKay (51), einer der drei Direktoren des Verkehrsforschungsinstituts „MoVe“. Er hält Elektro- und Hybridmodelle eher für eine Brückentechnologie, „die Zukunft sehe ich in der Brennstoffzelle“. Er hatte mit seinen Kollegen Prof. Dr. Stephan Keuchel und Prof. Dr. Guido Mihatsch zu einer Präsentation des Opel Ampera in die Hochschule eingeladen, Bürger und Studenten ließen sich das nicht entgehen.

Keuchel hatte zu Beginn gerechnet. In Beschleunigung, Geschwindigkeit und Laufruhe können E-Mobile mit Verbrennungsmotoren mithalten, aber die Reichweite ist eine große Schwachstelle: Die Batterien sind teuer und ihre Lebensdauer ist begrenzt. Wegen der Batterien sei ein Hybridfahrzeug derzeit rund 10.000 Euro teurer als ein normales. Zwar koste der Betrieb auf 100 km nur rund 5 Euro und bei einem Benziner 9 Euro, aber man müsste gut 25.000 km pro Jahr fahren, damit sich das rentiert — zehn Jahre lang. So lange halten die Batterien aber gar nicht, daher rechneten sich die E-Mobile für private Haushalte nicht. „Autovermieter, Taxiunternehmen und Dienstleister könnten sie einsetzen.“

Derzeit fahren 4761 E-Autos

Von den von der Bundesregierung geplanten eine Million Elektroautos bis 2020 fahren zur Zeit 4761 auf unseren Straßen, betonte McKay. Dazu kämen etwa 50.000 Hybridfahrzeuge. „In den 50ern fanden die Menschen den Käfer ganz toll — heute würde ihn geschenkt keiner mehr haben wollen.“ Wenn ein Grundbedürfnis, wie hier die Mobilität, einmal erreicht sei, wolle der Mensch immer mehr: Komfort, Platz, Klimaanlage oder Sound etwa. Die einfachen Dacia fahre ja auch fast niemand. Neben dem Nutzen seien heute Design und Prestige beim Autokauf wichtig. „Die Marke hat ein Problem, aber beim Ampera zu Unrecht“, lobte McKay den amerikanischen Stromer. „Der ist State of the art und es lohnt sich, sich mit ihm zu beschäftigen.“

Alles eine Frage des Strompreises und der Batterien, ob sich Elektromobile einmal lohnen würden. Eine Förderung wie bei Wärmepumpen fände er sinnvoll, sagte der schottischstämmige Forscher. Manche Menschen wollten lautlos fahren, andere mit „ich fahre grün“ protzen. „Zum Sparen lohnt es sich nicht, aber das lautlose und kraftvolle Fahren hat mich begeistert, sehr angenehm“, schwärmte McKay. „Meine sechs und acht Jahre alten Kinder sind ausgeflippt, die musste ich mit dem Ampera zwei Tage lang zur Schule fahren.“