Kunsthalle freut sich über Rückkehr in den Kunstbunker

Ralph Wilms
Ausstellung in der Kunsthalle am Hauptbahnhof Recklinghausen. Die Griffelkunst-Vereinigung zeigt bis zum 20. Mai ihre neuen Editionen im „Grafik-Kabinett“ des Kunstbunkers
Ausstellung in der Kunsthalle am Hauptbahnhof Recklinghausen. Die Griffelkunst-Vereinigung zeigt bis zum 20. Mai ihre neuen Editionen im „Grafik-Kabinett“ des Kunstbunkers
Foto: WAZ FotoPool
Im Mittelpunkt der aktuellen Kurz-Schau, die noch bis Sonntag, 20. Mai, in dichter Petersburger Hängung im „Grafik-Kabinett“ bleibt, steht die Edition der sonst für ihre Neonschriften berühmten amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer.

Recklinghausen. Nicht nur das Team der Kunsthalle ist beglückt über die „Heimkehr“ in den traditionsreichen Kunstbunker an der Große-Perdekamp-Straße. Auch Friedrich Schröerlücke ist die Freude anzusehen: Am vergangenen Sonntag eröffnete der Recklinghäuser Statthalter der traditionsreichen Hamburger Griffelkunst-Vereinigung die Halbjahres-Ausstellung in einem eigenen kleinen „Grafik-Kabinett“.

Denn Architekt Franz-Jörg Feja hatte ja nicht nur um-, sondern für einen behindertengerechten Aufzug auch angebaut: So entstand jener kleine Raum, den die Kunsthalle für Grafikschränke nutzt – und ihre „Stammgäste“ von der Griffelkunst für ihre jeweils zweiwöchigen Ausstellungen. Vorbei die Zeit des Hälse-Reckens im Bunker-Treppenhaus. Die rund 40 Mitglieder starke Recklinghäuser Gruppe um den seit 41 Jahren amtierenden Friedrich Schröerlücke ist ohnehin privilegiert: Die meisten Griffelkunst-Zweigstellen von Helgoland bis München können nur improvisierte Ausstellungen für einen Tag einrichten, damit ihre Mitglieder aus den neuen exklusiven Editionen auswählen können.

Kurz-Schau noch bis 20. Mai zu sehen

Für den Vorjahres-Jubilar, hatte die Vereinigung aus Hamburg-Langenhorn sogar 1a-Blätter ihres vielleicht größten Grafikers Horst Jansen ausgeliehen (wir berichteten). „Es war sehr schön im Museum Strom und Leben“, betont Friedrich Schröerlücke. „Aber in der Kunsthalle sind wir zu Hause.“

Im Mittelpunkt der aktuellen Kurz-Schau, die noch bis Sonntag, 20. Mai, in dichter Petersburger Hängung im „Grafik-Kabinett“ bleibt, steht die Edition der sonst für ihre Neonschriften berühmten amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer, die für die Umsetzung ihrer hoch politischen Serie auf die traditionelle Technik des Papierschöpfens zurückgegriffen hat. Die Blätter basieren auf amerikanischen Geheimpapieren, aus denen der Einsatz der Foltertechnik „Water Boarding“ hervorgeht.

Abstrakte Malerei und Siebdruck

Die Fotografien von Philip Gaißer nehmen im Sechsfarb-Offsetdruck den Charakter von Postern an. In der Serie von Bogomir Ecker überlagern Zeichnungen die Reproduktionen silbern changierender Fotografien von Tropfsteinhöhlen. Die Berliner Künstlerin Tatjana Doll beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit dem Kopieren als Aneignung. In den für die Griffelkunst entstandenen Lithographien thematisiert sie das Copyright, indem sie selbst dieses Zeichen kopiert und variiert.

Florian Haller überträgt seine abstrakte Malerei in den Siebdruck, wobei die Spuren des Entstehungsprozesses sichtbar bleiben. Der Maler Uwe Henneken entwickelte ganz im Stile seiner romantischen Malerei fünf Linolschnitte von fiktiven Sternbildern, die bei genauer Betrachtung eine menschliche Figur ergeben. Sechs Fotografien aus dem Nachlass von Ellen Auerbach führen die Reihe der Foto-Klassiker fort.