Krise bedeutet Aus für viele kleine Kirmessen

Dieter Decker
Foto: WAZ

Vest.  Lange Zeit hatten Schausteller ihr Auskommen. Doch das war einmal. Die Realität sieht heute anders aus. Es gibt nicht mehr überall eine Kirmes. Jetzt mussten auch die Rummel in Marl und Westerholt abgesagt werden.

Die Flaigenkirmes in Marl musste abgesagt werden. Die Kirmes in Herten-Westerholt auch. „Es lohnt sich nicht mehr“, sagt Heinz Deh vom Schaustellerverband in Recklinghausen. Bis zuletzt habe man versucht, die Kirmes in den beiden Orten zu retten. Doch die Inhaber der Fahrgeschäfte zeigen den kleinen Veranstaltungen immer mehr die kalte Schalter. „Da hätten wir nur Buden und kein Fahrgeschäft gehabt. Doch das ist keine Kirmes mehr“, sagt Deh. „Wir haben versucht, bei der Cranger Kirmes noch Schausteller zu gewinnen.“ Vergeblich.

Nur noch die großen Jahrmärkte lohnen sich für Schausteller

Auch Annoncen in Fachzeitschriften verpufften wirkungslos. Deh: „Es gibt nichts mehr zu verdienen. Die Besucher bleiben bei den kleineren Veranstaltungen einfach aus.“ Die zieht es immer mehr zu den Großveranstaltungen wie zuletzt die Cranger Kirmes oder auch die Palmkirmes in Recklinghausen und weniger zu einer Fliegenkirmes hin. Das Geld sitze bei den Leuten nicht mehr so locker. „Wenn eine Familie einmal über die Palmkirmes geht, dann hat sie ihr Jahresbudget für diese Freizeitbeschäftigung bereits ausgegeben.“ Für andere bleibe nichts übrig, sagt er den kleineren Veranstaltungen schwere Zeiten voraus. Die Wirtschaftskrise wirke sich auf Schaustellergeschäfte nachhaltig aus.

Dabei habe Deh Verständnis für seine Kollegen. Die Anschaffungskosten für Fahrgeschäfte sind hoch. Für einen Twister müssten anderthalb Millionen Euro hingeblättert werden. Achterbahnen seien kaum noch zu bezahlen. Eine kleine Achterbahn für den Nachwuchs, im Schausteller-Jargon auch „Kinderschleuder“ genannt, so Deh, koste allein schon eine Millionen. „Da suchen sich die Betreiber der Fahrgeschäfte die Veranstaltungen aus, wo sie ihre Kosten reinbekommen.“ Und die seien rar geworden.

Im Vest findet zwar noch pro Jahr in jeder Stadt mindestens eine Kirmes statt. Doch die Zahl hat sich im Laufe der Zeit nahezu halbiert. „Gut läuft es immer da, wenn die Kirmes in ein Fest eingebunden ist. Attraktiv sei nach wie vor Haltern. In Waltrop würde - nachdem ein Termin gestrichen wurde - es so gehen. In Oer-Erkenschwick auch. In Datteln laufe das Geschäft mehr schlecht als recht.

Aber auch die große Palmkirmes im Frühjahr in Recklinghausen steht auf der Einnahmenseite bei den Schaustellern auch nicht mehr so hoch im Kurs, wie einst. Deh: „Die Leute sehen die Kirmes als großes Event, wo sie auch einfach nur mal drüberschlendern, ohne Geld auszugeben.“

Eine Besserung der Situation sieht Deh in einer besseren wirtschaftlichen Lage: „Es wird zwar jetzt immer wieder gesagt, die Krise ist vorbei und der Aufschwung ist im Gange. Wir merken aber nichts davon, dass bei den Leuten mehr Geld angekommen ist.“