Klönen und Kaufen

Metzger Jupp Voss steht schon seit einem halben Jahrhundert auf dem Markt in Marl-Hamm. 90 Prozent der Käufer sind Stammkunden. Foto: Jo Kleine-Büning
Metzger Jupp Voss steht schon seit einem halben Jahrhundert auf dem Markt in Marl-Hamm. 90 Prozent der Käufer sind Stammkunden. Foto: Jo Kleine-Büning
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Marl.  Es gibt Tage, da ist deutlich mehr los auf dem Hammer Markt. Christian Klecha, 46, sieht große Lücken zwischen den klassischen Marktständen und den modernen Verkaufswagen. Aber es ist regnerisch und es ist Ferienzeit. Und Marl-Hamm ist als Standort ohnehin nicht so stabil wie Brassert oder Hüls, erläutert der Marktmeister. Hamm ist eben ein besonderes Pflaster.

Und es ist ein besonderes „Völkchen“, das so einen Frischemarkt prägt. Meist sind es treue Kunden, was nicht heißt, dass es überwiegend alte Kunden sind. Man geht mittwochs, auf jeden Fall aber samstags auf den Markt. Er ist Treffpunkt für Rentner, die ihre eigene Ecke haben, um Neuigkeiten auszutauschen.

Kein Spiegelbild derHammer Bevölkerung

Aber der Markt ist nicht Spiegelbild der Hammer Bevölkerung. Hamm ist der Stadtteil mit dem größten Ausländeranteil, doch die türkischen Mitbürger finden nicht den Zugang. „Türken kaufen bei uns nicht“, erzählt freimütig Josef Voss (65). Der gelernte Metzger steht schon ein halbes Jahrhundert mit seinem Wagen auf dem Markt. „Es liegt wohl an den anderen Essgewohnheiten.“ Und dass das Schweinefleisch zu dicht bei der Wurst liegt. „Die Türken sind treue Kunden, aber sie kaufen insbesondere bei ihren Landsleuten.“ Die aber gibt es nicht auf dem Wochenmarkt in Marl-Hamm.

Von Stammkunden lebt auch Udin Samrah (58). Der gebürtige Inder hat preisgünstige Kleidung. Ältere Damen decken sich bei ihm ein, seit 20 Jahren steht er hier.

Genau so lange wie Anette Preuß (53). „Wir sind damals mit einem Hänger gekommen und haben Blumen verkauft.“ Inzwischen hat sie unmittelbar am Markt ein Blumengeschäft und rundet so das Angebot ab.

Eigentlich gibt es alles hier, was zu einem typischen Frischemarkt gehört: Wurst und Käse, Fisch und Blumen, Obst und Gemüse. Aber fast alles nur einmal. „Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Aber hier ist Konkurrenz tödlich fürs Geschäft. Es sind einfach nicht genug Kunden da.“ Christian Klecha sieht die Abwärtsentwicklung des rund 60 Jahre alten Marktes.

Die große Kneipe am Kopfende des Platzes ist schon lange dicht. Aldi hat in Sickingmühle neu gebaut. Jetzt steht auch noch Schlecker leer – noch ein Grund weniger, zweimal in der Woche den Markt anzusteuern. Netto und Rewe haben modern neu gebaut und liegen unbequem weit entfernt.

Ein Eierhändler wird nochdringend gesucht

Und doch kommen die Kunden. Mittwochs weniger, aber samstags ist der Platz gut gefüllt – wenn es nicht gerade regnet oder Ferien sind. Gerhard Breitschuh (72) ist regelmäßig da. Er kam 1953 mit seinen Eltern nach Hamm. „Meine Mutter hat hier immer eingekauft. Jetzt muss ich hier einkaufen“, schmunzelt er. Aber hauptsächlich komme er, um zu quatschen.

Udo Wember würde das „Verkaufsgespräch“ nennen. Er hat an seinem Obststand gut zu tun. Er weiß, was seine Kunden wollen. Ist der Supermarkt keine Konkurrenz? „Bei mir passen Qualität und Preis zusammen.“ Seine Kunden hätten immer die Augen auf. „Die wissen, diese Qualität kriegst Du nicht im Geschäft.“ Offenbar deckt er genau die Bedürfnisse der Hammer. „Wir nagen nicht am Hungertuch“, erklärt er. „Die Generation vor uns war geradezu verwöhnt.“

Angebot und Nachfrage hätten sich im Laufe der Jahre eingependelt, erläutert Christian Klecha. Mittlerweile sei die Lage recht stabil. „90 Prozent sind Stammkunden.“ Neue Anbieter hätten kaum eine Chance hier. Es sei denn, sie würden eine der Lücken fülle, die der Markt noch bietet, zum Beispiel griechische Spezialitäten und Feinkost. „Wir suchen händeringend einen Eierhändler.“

Bislang vergeblich. Obsthändler Udo Wember muss so lange einspringen. Man ist halt Geschäftsmann.

 
 

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