Jugendliche aus zwei Halterner Gemeinden fertigen Firmkreuze

Irene Stock
Dalia Benitez arbeitete an ihrem Firmkreuz. Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool
Dalia Benitez arbeitete an ihrem Firmkreuz. Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Haltern am See. Schmuckstücke sind Weggefährten, werden vererbt, gebettet in Schächtelchen und Sätze wie: „Als Mutter diese Kette bekam . . .“. Ähnlich ist es wohl mit den Firmkreuzen.

Ein industriell hergestelltes Kreuz für die Firmung? Die sechs Jugendlichen winken ab. Genau da liegt für sie der Unterschied: Handgefertigtes ist individueller. Selbst ein von Hand hergestelltes, einfaches Silberkreuz ist ein Unikat.

Einzigartig. So wie der Tag, die Entscheidung, die Firmfeier. „Mit einem selbst geschmiedeten Kreuz verbindet man mehr als mit einem gekauften“, sagt Sabrina. „Es ist ein Erinnerungsstück“, findet Lisa. Sechs Jugendliche aus den Gemeinden St. Lambertus und St. Laurentius schmieden selbst ihr Kreuz für die Firmung.

„Da fließt immer auch Herzblut in das Schmuckstück“, sagt Goldschmiedemeisterin Katja Osterhoff-Genz. Sie will mit den Jugendlichen zusammen jeweils ein einzigartiges Schmuckstück herstellen. Genau das wünschen sich die Jugendlichen, die sich für den Schmiedekurs bei ihr angemeldet haben. Seit vier Jahren bietet die Halternerin Goldschmiedekurse an. 2006 entstand die Idee, Jugendliche ihr eigenes Firmkreuz schmieden zu lassen.

Eigentlich geht es in der Werkstatt im Keller des Pfarrheims von St. Andreas in Hullern genauso zu wie beim „richtigen Schmied“. Es gibt einen Amboss, Hammer, Zangen, zahlreiche Feilen. Allerdings ist alles einige Nummern kleiner und filigraner. Fehlt nur ein Brenner zum Schmelzen von Metall, stattdessen gibt es einen Lötkolben. Der Amboss ist nur so groß wie eine Faust – und überhaupt braucht der Goldschmied eher Geschick als Muskelkraft.

Und noch etwas unterscheidet den Goldschmied vom „Grob“-Schmied: Das Material ist edler. An dem Tisch werden Silber und auf Wunsch auch Kupfer verarbeitet.

Immer wieder legen die Jugendlichen das Kreuz prüfend auf den Entwurf, eine Bleistift-Zeichnung. Nochmals schmirgeln. „Man kann gar nicht genug schmirgeln“, lacht Katja Osterhoff-Genz.

Zuletzt poliert die Goldschmiedemeisterin die Stücke an einer Poliermaschine. Das Metall wird glänzend, wie ein Bleistift-Strich. „Wenn ich das Silber schwärze, bekommt es eine Klarheit, als würde ich den Schmuck sauber machen“, sagt sie. An einer Ziegenhaarbürste werden die Ecken poliert. Zeichnen, Löten, Punzieren, Hämmern, Tauchen, der letzte Schliff.

Seit Monaten bereiten sich junge Christen auf den 27. März vor, an dem sie das Sakrament der Firmung empfangen. Die Firmung gehört zu den drei Sakramenten, durch die Menschen in die katholische Kirche aufgenommen werden. Am Anfang steht die Taufe, darauf folgt, meist im Alter von neun Jahren die Erstkommunion und dann im Jugendalter das Sakrament der Firmung. Bei der Firmvorbereitung konnten sich die Jugendlichen für ein Tagespraktikum in einem Kindergarten oder einer Behinderteneinrichtung entscheiden. Oder für einen Ausflug in den Hochseilgarten – als Team.

Warum sie sich für die Firmung entschieden haben? Es ist das Stück Freiwilligkeit, das sie fasziniert. „Ich kann selbst darüber entscheiden“, sagen die Jugendlichen im Schmiedekurs. Das eigene Bekennen zu Gott, nicht auferlegt, sondern freiwillig.