In einer Pommesbude in Haltern sind Pferdeklopse der Hit

Björn Jadzinski
In der Pommesbude von Johannes Elting gibt es Sauerbraten und Klopse vom Pferd. An einen Pferdefleischskandal ist hier nicht zu denken.
In der Pommesbude von Johannes Elting gibt es Sauerbraten und Klopse vom Pferd. An einen Pferdefleischskandal ist hier nicht zu denken.
Foto: WAZ FotoPool
In einer Pommesbude an der Weseler Straße in Haltern am See steht stimmt die Bezeichnung der angebotenen Leckereien. Der Sauerbraten und die Klopse bestehen aus Pferdefleisch. Das kommt bei den Kunden an. Die Pferdewurstwaren stehen gleichberechtigt neben Currywurst und Co.

Haltern am See. Wer in diesen Tagen Heißhunger auf eine italienische Hackfleisch-Lasagne aus der Mikrowelle verspürt, muss lange suchen. Ob in Supermärkten oder Discountern – Tiefkühlgerichte mit Rinderhack sind nach der Diskussion über Pferd und Medikamente aus den Truhen verschwunden. In der Pommesbude von Johannes Elting an der Weseler Straße ist die Lage eine völlig andere. Hier wird kein Pferd heimlich untergemischt. Denn Pferdeklopse und Rossbraten stehen einfach auf der Speisekarte, gleichberechtigt mit Currywurst und Gyros.

Dass die Großindustrie einfach Fleisch mischt, dafür hat der Inhaber der Imbiss-Oase überhaupt kein Verständnis und ist froh, dass in seinem Betrieb vieles frisch gemacht wird. „Selbst das Hack machen wir selber“, so Johannes Elting, der oft seine Blicke durch die Auslage streifen lässt, ob alles in bestem Zustand ist. „Wenn es draufstehen würde, dann würden es die Leute auch kaufen – in Bratwurst ist auch nicht nur Schwein.“

Seit sieben Jahren Pferdefleisch

Seit gut sieben Jahren gibt es bei ihm auch Pferd in der Konserve und das vom Fachmetzger aus Recklinghausen. Nach den Berichterstattungen in den Medien der letzten Wochen wurde bei ihm mehr Pferd gegessen als sonst, und Elting musste gerade zum Wochenende bei seinem Stamm-Metzger Nachschub außer der Reihe bestellen, damit die Vitrine weiterhin voll bestückt bleibt.

„Es ist nicht jedermanns Sache“, gibt er offen zu, doch ein besonderes Klientel, das als Tellergericht zwei Pferdeklopse mit Pommes für 4,40 Euro bestellt, sieht er vor seiner Theke nicht. Der Grund, warum die Halterner bei ihm zum Pferdefleisch greifen, ist klar: „Es ist ein besonderer Geschmack“, sagt der 58-jährige Gastronom, denn Pferd ist geschmacklich mit keinem anderen Fleisch zu vergleichen. So gehen in der Woche rund 100 Pferdegerichte und Dosen über den Tisch. Und was in den Klopsen verarbeitet wurde, steht klipp und klar drauf.

Stammkunde steht auf Pferd aus der Dose

Das bestätigt auch Ingo Fortmann, der im Aquaristikladen gegenüber arbeitet: „Ich esse die Pferdeklopse eigentlich wegen der leckeren Sauce.“ Auf die Frage, wie oft er zu Elting geht, kommt ein ehrliches „viel zu oft“. Denn in seinem Laden gibt es nur Leckereien für Fische. „Alle zwei Wochen gibt es auch mal Pferd“, sagt der junge Halterner. Die Aufregung um Pferd in Tiefkühlgerichten versteht Fortmann nicht unbedingt, denn „es kommt jede Woche ein neuer Lebensmittelskandal“.