Hund, Katze, Maus . . .

Die traurige Wahrheit: Immer mehr Tiere bekommen nicht genügend Futter, weil sich Frauchen und Herrchen das immer seltener leisten können. Genau dort will der Verein Tiertafel helfen, ab Montag auch in Herten.
Die traurige Wahrheit: Immer mehr Tiere bekommen nicht genügend Futter, weil sich Frauchen und Herrchen das immer seltener leisten können. Genau dort will der Verein Tiertafel helfen, ab Montag auch in Herten.
Foto: WNM / sergej lepke

Herten..  Die Stadt Herten, in vielerlei Hinsicht einmalig. Der urige Revuepalast, die Halde, die Sonnenuhr, die Bergbaugeschichte, das Klimakonzept, die Infrastruktur für Fahrräder, Ewald, die Ried, der Spargel, die famose Bibliothek, der Schlosspark mit Orangerie und Tabakhaus oder auch die abgerissene Innenstadt. Kein Nachbar, der wirklich ernsthaft dagegen anstinken könnte. Ab Montag, 30. Juli, nun gibt’s das nächste „Alleinstellungsmerkmal“, denn ab Montag gibt’s an der Ewaldstraße 141 auch die erste Tiertafel im Kreis, sogar im Ruhrgebiet. Futter für die, die Futter nötig haben. Eine gute Idee.

Der Mensch und sein Haustiere. Vielen, den Einsamen darunter vor allem, sind die meist vierbeinigen Begleiter weit mehr als nur ein Zeitvertreib. Früher gab’s den Wachhund, der sein Leben leider oft auch als Kettenhund fristete. Und die Katze, die schnurrte meist auf dem Hof und dem Land, wo sie gefälligst Mäuse zu fangen hatte.

Lange her, längst sind Hund und Katze und immer öfter auch Kaninchen und Kanarienvogel, Hamster oder Hausratte vollwertige Familienmitglieder. Wehe nur, das Geld wird mal knapp, denn so ein Tier ist auch nur ein Mensch, muss fressen, mal zum Arzt und braucht Liebe.

Es gibt Menschen, die teilen fast alles mit ihrem „Partner mit der kalten Schnauze“ oder dem auf samtenen Pfoten dahinschleichenden Stubentiger. Mit steigender Armut aber gibt es nicht wenige, denen selbst das Geld für Futter ausgeht. 3593 Hunde waren zum 3. August 2011 bei der Stadt gemeldet, eine genaue aktuelle Zahl ist nicht bekannt. Noch unklarer zudem, wie hoch die Dunkelziffer unangemeldeter Hunde ist. Und wie viele oder wenige von denen regelmäßig zu fressen bekommen, weiß erst recht kein Mensch. Vom Thema Katzen ganz zu schweigen.

Genau in solchen Momenten aber kommt die Tiertafel ins leider oft sehr traurige Spiel. In 19 Städten Deutschlands gibt es sie bereits, stehen die Mitarbeiter und Unterstützer bedürftigen Tierhaltern mit Futter- und Sachspenden und auch Beratungsleistungen zur Seite – ab Montag nun auch in Herten.

Warum gerade hier? Weil Nicole Meichle (40) irgendwann mal diese traurige Beobachtung machte. Brigitte Meichle, 64 und die Mutter: „Ihr fiel vorm Discounter dieser Mann auf, der Flaschen sammelte, das Pfand eintauschte, um davon gleich Futter für seinen ausgehungerten Hund kaufen zu können.“ Das brachte den Stein ins Rollen.

Der Kontakt zum Verein Tiertafel Deutschland war schnell hergestellt, zum Glück stellte ein edler und anonymer Spender das Lokal an der Ewaldstraße zur Verfügung.

Die Regeln sind durchaus streng, denn ohne klare Regeln kann so eine Arbeit nicht funktionieren. Unterstützung gibt’s für maximal vier Tiere und auch nur für vier, fünf Tage. „Dann“, so Brigitte Meichle, „müssen die Leute zusehen. Wir sind keine Vollpension, wollen das auch nicht sein.“

Wer Futter erbittet, muss bei Aufnahme in die Kartei seine Bedürftigkeit nachweisen. Hartz IV- oder Rentenbescheid sind also ebenso gefragt wie der Impfpass des Tieres, die letzte Tierarztrechnung oder, wie beim Hund, der offizielle Nachweis über die Existenz.

„Seit der Einführung von Hartz IV“, so Claudia Hollm, Gründerin der Tiertafel Deutschland e.V., „werden die Tierheime immer voller. Ein Tier aus finanzieller Not abgegeben zu müssen, ist oft ein traumatisches Erlebnis, für Mensch und Tier.“ Das zu verhindern, treten nun neun Hertenerinnen an. Frauen, die Unterstützung brauchen können – und auch Männer.

Die Hertener Tiertafel ist ab Montag, 30. Juli, an der Ewaldstraße 141 zu erreichen. 12-16 Uhr: Eröffnungsfeier. Futterausgabe: jeweils montags zwischen 16 und 18.30 Uhr. Wer sich über die Arbeit erkundigen oder spenden möchte, kann sich an Nicole Meichle wenden (herten@tiertafel.de oder 0176 89 66 60 84). Info: www.tiertafel.de

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