„Hier wird nur negativ geredet“

Oliver Mengedoht
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Herten. „Eine Moschee bringt Wertverluste für die Umgebung und Konfliktpo­tenzial mit Armeniern, Griechen, den anderen türkischen Verbänden.“ So brachte Rolf Stolz seine Erfahrungen mit dem Islam auf den Punkt.

Eingeladen hatte den Journalisten und sogenannten „Islamexperten“ die Unabhängige Bürger-Partei (UBP). Sie will eine Ditib-Moschee in Langenbochum we­gen „erheblicher negativer Einschnitte für das direkte Wohnumfeld“ verhindern.

„Wir stehen hier, um deutlich zu zeigen, was wir davon halten“, erklärte Fabian Lindemann vor dem Siebenbürgenhaus, der als Ge­schäftsführer der Hertener Linken mit über 20 Gleichgesinnten und einem großen Plakat „gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit“ de­monstrierte. „Schön, dass der Integrationsrat und einige Türken mit dabei sind“, ergänzte Merle Lindemann, Vorsitzende des Linken-Stadtverbands. Die Veranstaltung stören wollten sie aber nicht.

Der Vorsitzende der Kreis-UBP, Tobias Köller, freute sich über mehr als 60 Besucher: „Mit so viel hatten wir nicht gerechnet.“ Man habe auch den Ditib-Leiter eingeladen, „damit beide Seiten ihren Standpunkt vertreten können“, der sei aber nicht gekommen. Hertens UBP-Vorsitzender Borsu Alinaghi begrüßte, dass Bürgermeister Uli Paetzel den Bürgerwillen berücksichtigen wolle, aber der „undemokratisch einberufene“ Runde Tisch, der „im Geheimen“ und ohne Ratsvertreter tage, sei genau das nicht.

Rolf Stolz ging darauf ein, dass eine Zeitung ihn „grünen Sarrazin“ genannt hatte. Wer sich kritisch mit dem Islam auseinandersetze, der werde schnell in die Schublade ausländerfeindlich gesteckt, „aber zwischen Sarrazin und mir gibt es schon Unterschiede, so bin ich seit 30 Jahren Mitglied und Mitbegründer der Grünen und es gab nie ein Ausschlussverfahren gegen mich“.

Rolf Stolz, Mitbegründer der Grünen, führte aus, dass von den drei bis vier Millionen Türken in Deutschland weniger als 30 Prozent in einem der religiösen Verbände organisiert seien. Hauptsächlich referierte er aber über einen einzigen, die vom türkischen Staat geführte Ditib. „Was ist das für ein Mandat, wenn die Ditib sich an­maßt, für die Muslime zu sprechen?“ fragte Stolz. Das seien „keine Integrationslotsen“. Auch sei eine Moschee eben nicht nur Gotteshaus – „das müsste gebilligt werden, keine Frage“ – sondern „der zentrale Ort des Islam, politisches, Kultur- und Handelszentrum, unter Umständen Waffenlager und ein Ort für Kampfsport“.

Stolz schreibt auch für die rechte Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“, ein Medium das selbst vom Verfassungsschutz beobachtet wurde und teils noch wird. EU-Beitritt der Türkei, „Überfremdung“ und „islamische Kolonialisierung“ waren weitere Stichpunkte für Stolz. Ditib und die anderen islamischen Organisationen seien alle auf eine „islamische Diktatur ausgerichtet“. Bis auf deutsch gepredigt werde und Moscheen nur als Gotteshäuser dienten, „sollten Sie jeden Moscheebau verhindern“.

Ein 74-Jähriger fragte, was an dem Runden Tisch so schlimm sei. Mehr als einen Entscheidungsvorschlag solle dieser gar nicht liefern. „Hier wird immer nur negativ geredet, gehen Sie doch mal mit mir raus und fragen wir die Langenbochumer, ob sie wirklich keine Moschee wollen“, forderte der Anwohner.

„Als Katholik tut es mir weh, dass mein Dechant und die Kirchen Moscheen unterstützen“, sagte hingegen UBP-Chef Köller – und blieb hart: „Die UBP und die Bürger werden die Ditib-Moschee nicht akzeptieren.“