Hausverbot für Türken

Schwere Vorwürfe gegen den Vorstand des Kleingartenvereins Am Silvertbach erhebt Mesut Alkan. Der 42-jährige Türke, der seit 40 Jahren in Marl lebt, hatte im Internet einen Kleingarten in der Anlage entdeckt, den er kaufen wollte. Für ihn gibt es nur einen Grund, warum er nicht zum Zuge kam: Die wollten mich nicht, weil ich Südländer bin.

Marl. Mehrere Kleingärtner hätten ihn und seine Familie deutlich spüren lassen, dass man in dem Kleingarten vor den Toren der Waldsiedlung keine Südländer haben wolle, beklagt sich der selbstständige Gebäudereiniger im Gespräch mitder MarlerZeitung:"Einer sagte zu mir: >Deine Frau trägt ein Kopftuch. Das ist hier ein Problem<".

Ein Gartenfreund habe ihm im Beisein eines Vorstandsmitgliedes sogar direkt ins Gesicht gesagt: "Wir wollen hier keine Türken." Michael Sosnowsky, Beisitzer im Kleingartenverein: "Für diese Entgleisung unseres Mitglieds habe ich mich sofort bei Herrn Alkan und seiner Familie entschuldigt."

Knapp vier Wochen lang hat Mesut Alkan seine Freizeit in der Anlage am Silberbach verbracht. "Der Vorbesitzer, von dem ich den Garten kaufen wollte, musste zur Kur. Er fragte mich, ob ich seinen Garten pflegen kann. Dann könne ich schon die Nachbarn kennenlernen." Alkan stimmte zu, der Vorstand auch. In der Folge habe er 30 Säcke Unkraut aus dem Garten geholt, Gemüse und Blumen gepflanzt, alles tiptop gemacht. Alle Nachbarn seien zufrieden mit ihm gewesen. "Der 1. Vorsitzende schloss mir sogar das Wasser und den Strom an." Gleichwohl wird Mesut Alkan den Garten, der erst Ende November frei werden sollte, nicht bekommen. Der Vater von drei Kindern geht leer aus. Seit Ende Juni hat Alkan in der Anlage Hausverbot.

Jeder fünfte Kleingärtner ist Ausländer

Klaus Böcker, 1. Vorsitzender des Kleingartenvereins Am Silvertbach, weist den Vorwurf, ausländerfeindlich zu sein, strikt zurück. "Bei uns in der Anlage haben wir einen Ausländeranteil von gut 20 Prozent. Wir haben Bosnier, Libanesen, Polen und Russen." Dass Mesut Alkan nicht zum Zuge kam, habe ganz andere Gründe.

"Es ist richtig, dass wir Herrn Alkan erlaubt haben, den Garten für vier Wochen zu pflegen", erläutert Klaus Böcker: "Doch Herr Alkan hat trotz mehrerer Ermahnungen den Garten nicht nur sauber gehalten, sondern komplett umgestaltet, als wenn es sein eigener wäre. Er hatte sogar die Laube schon neu eingerichtet. Laut Satzung ist die Nutzung durch Dritte aber nicht gestattet."

Nach Angaben mehrerer Vorstandsmitglieder habe Mesut Alkan alle Ermahnungen und Verhaltenshinweis ignoriert. "Der fuhr mit dem Kleinlaster rein und raus, hatte nach 22 Uhr mal lauten Besuch. Und zum Schluss wurde er noch pampig", sagt Böcker.

Die Polizei gerufen

"Anfangs wollten wir ihn wirklich aufnehmen. Viele haben ihn gemocht", räumt der Vorsitzende ein. "Wir haben ihm aber deutlich klar gemacht, dass der Garten erst vergeben werden kann, wenn der Pachtvertrag mit dem Vorbesitzer gekündigt und der Garten neu bewertet ist."

Mesut Alkan habe sich dennoch nicht an die Regeln gehalten und den Garten weiter so genutzt, als sei es sein eigener. "Deshalb haben wir einstimmig beschlossen, dass er den Garten nicht bekommt, auch nicht die Parzelle, die wir ihm alternativ angeboten hatten", so der 1. Vorsitzende.

Zum Eklat sei es gekommen, nachdem der Vorstand Mesut Alkan die Weisung erteilt hatte, seine Sachen zu packen und den Kleingarten zu verlassen. "Er drohte, schimpfte und sagte sogar noch, wir sollten ein Schild aufhängen mit der Aufschrift ›Ausländer raus‹", berichten gleich mehrere Vorstandsmitglieder. Aus Angst, dass der Streit weiter eskalierte, rief die zweite Vorsitzende Rita Neumeister damals sogar die Polizei.

Von Klaus Wilker