Hass haut wieder in die Saiten

Es gibt sie noch, die wilden Jungs von damals. Ihre Energie ist ungebrochen, ihr Ton klingt heute versöhnlicher als in jungen Jahren: Hass, die vielleicht erfolgreichste deutsche Punk-Band, die Combo mit Marler Wurzeln, meldet sich nach Jahren des Schweigens zurück. Die Musiker proben im Sinsener Bunker, präsentieren am Freitag ihr neues Album und packen die Koffer für eine Deutschland-Tournee.

Marl.. 36 Jahre sind vergangen, seit die Band sich in Marl gründete. Gerade drei Jahre und zahllose Auftritte später folgte das erste Album "Hass allein genügt nicht mehr". Dann ging alles sehr schnell: Die Marler und Recklinghäuser Punks waren kein Geheimtipp mehr, stürmten deutsche, schweizerische, österreichische Bühnen, nahmen das Publikum im Sturm. Zweierlei zeichnete Hass vom ersten Tag an aus: ein beinharter Sound und strikter Antifaschismus. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Jahrzehnte sind vergangen, die Neonazis von damals sind nie verstummt. Ist das nicht frustrierend, all die Jahre vergebens gegen die "Glatzen" gewettert zu haben? Peter "Hecktor" Blümer, Marler und von Beginn an Kopf der Band: "Antifaschistisch zu sein, das ist und bleibt unsere Haltung. Da wirst du niemals müde, dagegen anzukämpfen. Das sind einfach nur Kriminelle." Eine Konsequenz, die das Hass-Publikum bis heute offenbar zu schätzen weiß. "Endstation" hieß ein Album, mit dem Hass 2001 seine Freunde erschreckte. Tatsächlich tat sich bis 2007 gar nichts mehr. Sänger Thomas Sohns: "Wir hatten keinen Krach. Es war nur einfach die Luft raus."

Sechs Jahre nach dem Ende startete Hass zu einer bundesweiten Abschiedstournee - immer noch strömten die Fans in Massen.Und wieder stellten sie fest, dass ihnen ohne Musik einfach etwas fehlt. Thomas Sohns erinnert sich: "Irgendwann klingelte mein Telefon. Peter fragte ganz unverbindlich: 'Was machst du denn so?'"

Rückkehr in den Bunker

2012 war das. Monate später kehrte Hass an einen altvertrauten Ort zurück - in den Sinsener Bunker, in dem die Band schon in den späten Achtzigern und den Neunzigern geprobt hatte. Wie in alten Tagen zog Peter Blümer sich wieder zum Nachdenken zurück. Der Altpunk, der 25 Jahre lang auf AV unter Tage arbeitete, schrieb der neuen alten Band Stücke, die wie früher und doch irgendwie anders klingen. "Kacktus" ist ein lautes Album, das immer hält, was der Bandname verspricht, wenn es um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geht. "Kacktus" überrascht aber auch mit fast balladenhaften, traurigen Stücken, wenn die reine Männer-Band etwa über die Not von Frauen singt, die in der Ehe Gewalt erdulden.

Ihren Lebensunterhalt verdienen mittlerweile alle Bandmitglieder anderswo, mal als Stadtwerke-Mitarbeiter, mal als Sozialarbeiter, mal als Rentner. Ihrer Musik tut das keinen Abbruch - und sie klingt fast durchgängig deutlich besser, klarer als in der alten Hass-Zeit. So deutlich wie jetzt waren die grundsätzlich deutschsprachigen Texte der Band noch nie zu verstehen. Aufgenommen wurde das neue Album teilweise in einem Duisburger Studio, teilweise in der "Krach-Ecke" zu Hause bei Peter Blümer.


Dass auch der Bühnen-Sound ein anderer ist, werden die Konzertbesucher erfahren. Im Juni beginnt die Tournee. Auftrittstermine in der hiesigen Region gibt es noch nicht: Die Band kann sich nicht retten vor Anfragen aus ganz Deutschland.

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