Harsche Kritik am rüden Umgangston im Jobcenter in Recklinghausen

Andreas Rorowski
Es gibt vielfältige Kritik am Jobcenter. Foto: Joachim Kleine-Büning
Es gibt vielfältige Kritik am Jobcenter. Foto: Joachim Kleine-Büning
Sie bekomme kein Geld, ihr Arbeitsplatz sei in Gefahr und sie habe nun Probleme, ihre Asthma-Medikamente zu bekommen: Bettina Chour aus Recklinghausen berichtet von schlechten Erfahrungen mit dem Jobcenter. Die Mitarbeiter seien unhöflich und teils auch aggressiv gewesen.

Recklinghausen. Bettina Chour ist mit den Nerven fertig. Die 45-Jährige ist den Tränen nahe, als sie an diesem Morgen in die WAZ-Redaktion kommt und von ihren Erlebnissen beim Jobcenter in Recklinghausen spricht. „Die haben mir da gedroht“, sagt sie. Dabei habe sie nur letzte Formalitäten für ihren Hartz-IV-Antrag klären wollen. Jetzt bekomme sie kein Geld, drohe ihren Arbeitsplatz zu verlieren, weil sie die Fahrtkosten nach Bergkamen nicht mehr bezahlen kann und habe auch Schwierigkeiten, ihre Medikamente zu bekommen. Sie ist Asthmatikerin.

Und sie schildert ihren Fall: Zweimal sei sie nach ihrem Umzug nach Recklinghausen beim Jobcenter gewesen, in beiden Fällen sei sie unhöflich und zum Teil mit einem aggressiven Ton behandelt worden. Am 15. Januar beim Gespräch mit einer Sachbearbeiterin sei diese erst nach dem Hinweis auf eine Dienstaufsichtsbeschwerde („Richtig arrogant ist sie geworden und hat gedroht, mich rauszuschmeißen“) freundlicher geworden. Zwei Wochen später, im Gespräch mit „einem Vorgesetzten“, wie es hieß, habe ein Missverständnis zu neuerlichen Drohungen geführt.

Mit Sicherheitsdienst gedroht

„Ich hatte zu meiner Tochter, die bei beiden Gesprächen dabei war, nach einer Erklärung gesagt, ob sie das aufgenommen hätte. Gemeint hatte ich damit, ob sie das registriert hat.“ Ihr sei aber unterstellt worden, sie habe das Gespräch aufgezeichnet, was nicht erlaubt sei. Auch dabei habe schnell ein rüder Ton geherrscht. „Der Mann unterstellte mir, ich wäre schon frech reingekommen. Das ist überhaupt nicht wahr.“ Nachdem mit dem Sicherheitsdienst gedroht worden sei, habe sie das Jobcenter verlassen.

Überhaupt nicht so weit gekommen wäre es aus ihrer Sicht, wenn die Sachbearbeiterin beim ersten Besuch ihr die erbetene Liste mit einer Aufstellung noch fehlender Unterlagen gegeben hätte. „Aber sie wollte mir einen Brief schrieben.“ Der indes kam trotz zweimaliger telefonischer Nachfrage nicht und wurde erst Anfang Februar zugeschickt. Daher sei sie am 31. Januar erneut zum Jobcenter gegangen, wo es zum Eklat kam. Momentan erhalte sie keine Leistungen, da der Antrag nicht vollständig sei.

Einen Anwalt eingeschaltet

Eine fehlende Abmeldebescheinigung des Jobcenters Lünen ist dafür einer der Gründe, heißt es in Recklinghausen. Die sei zwingend notwendig, um Leistungsüberschneidungen auszuschließen. „Dabei habe ich ein Schreiben vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass ich keine Leistungen mehr beziehe, wenn der Antrag bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht gestellt wird“, so Bettina Chour.

Sie habe einen Anwalt eingeschaltet. „Mit solchen Menschen setzte ich mich nicht mehr an einen Tisch. So kann man nicht mit anderen umgehen, auch wenn ich Hartz IV beziehe.“ Beim Jobcenter in Lünen habe sie nie Probleme gehabt.

Zu den Vorwürfen des rüden Umgangstons nimmt das Jobcenter keine Stellung. Sprecher Martin Linkemann verweist auf die Möglichkeiten zur Reklamation („173 Beschwerden im Vorjahr“) und bemerkt, die Kundin habe bei beiden Gesprächen zu einem frühen Zeitpunkt angemerkt, über gute Kontakte zur Presse zu verfügen.

137 Beschwerden im Vorjahr

Möglichkeiten zur Beschwerde gebe es mehrere, sagt Jobcenter-Sprecher Martin Linkemann. Sie können direkt bei Sachbearbeitern, Vorgesetzten oder der Leitung eingelegt und/oder an das „Kundenreaktionsmanagement“ (KRM) des Jobcenters weitergeleitet werden. Auch Beschwerden direkt an die Fachbereichsleitung Jobcenter des Kreises würden an das KRM weitergeleitet.

Im Vorjahr seien im KRM insgesamt 173 Beschwerden erfasst worden, 2011 waren es noch 234. Von den 173 Beschwerden habe sich keine auf die Verweigerung einer Empfangsbestätigung bezogen.