Gemeinsam essen, gemeinsam feiern

Gemeinsam essen, zusammen feiern: Das ist seit 15 Jahren das Motto des Abrahamsgastmahls im Marler Rathaus, bei dem sich Christen, Muslime und Juden friedlich und freundschaftlich begegnen. Das war auch in diesem Jahr beim Ausklang des Abrahamsfestes so, und doch war alles anders.

Marl. nter den Gästen befanden sich zahlreiche Flüchtlinge, die in den letzten Monaten nach Marl gekommen sind. Der Saal des Rathauses reichte nicht für alle Besucher aus. Die große Schiebetür zum Foyer musste geöffnet werden, damit alle zumindest einen Blick auf das Geschehen werfen konnten. Und da gab es wieder eine bunte Mischung kultureller Beiträge aus allen drei Religionsgemeinschaften und Kulturkreisen zu sehen.

Traditionell beginnt das Gastmahl immer mit dem Entzünden einer großen Friedenskerze. Das übernahmen in diesem Jahr Mohammed und Mohammed, zwei kleine Jungen aus syrischen Flüchtlingsfamilien.
Auch Bürgermeister Werner Arndt bezog sich in seiner Begrüßung auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Marl. "1 500 Flüchtlinge werden bis zum Jahresende voraussichtlich nach Marl gekommen sein", so der Bürgermeister. "Zunächst galt es, für Unterkünfte zu sorgen. Das war bereits eine große Herausforderung, aber die Integrationsaufgabe liegt noch vor uns." Arndt dankte allen Helfern, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagiert haben, und forderte dazu auf, selbst aktiv zu werden: "Jede helfende Hand ist willkommen."

"Uns wurde der Frieden gestohlen"

"Liebe Leute, mein Land brennt, uns ist der Frieden gestohlen worden", sangen die Mädchen aus der Gesangsgruppe des Vereins "Friedensweg". Das war nur einer der zahlreichen Höhepunkte des vielfältigen Programms, das vor der Pause vor allem Kinder und Jugendliche gestalteten. Den Anfang machten die kleinen Tänzerinnen aus dem Intercent mit einem "Raupentanz". Tanzgruppen aus der jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen und dem russisch-ukrainisch-deutschen Kulturverein "Raduga" bestritten das Programm.
Nach der Pause waren vor allem die Erwachsenen und älteren Jugendlichen dran: Für einen weiteren Höhepunkt sorgte das Tanzensemble "AkzepTanz", das in seiner aktuellen Produktion ebenfalls das Thema Heimat und Flucht thematisiert hat. "Wir freuen uns, Ausschnitte auch hier beim Abrahamsfest zeigen zu können", sagte Leiter Mohan C. Thomas von der Tanzmoto Dance Company.

Ilahi-Gesänge, der Erwachsenenchor der jüdischen Gemeinde und ein tanzender Derwisch rundeten das Programm ab, das mit einem gemeinsamen Friedensgebet endete. Durchs Programm führten Günter Tewes, Katharina Nowitzka und Özlem Isik. Das große Büfett in der Pause hatten die Frauen aus der El Khodr Moschee zusammengestellt. Die Gespräche beim Essen fanden diesmal auf weit internationalerer Basis statt als sonst.

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