Friedrich-Fröbel-Schule ist eigentlich unverzichtbar

Die im Dezember bei einem Großbrand zur Hälfte zerstörte Friedrich-Fröbel-Förderschule an der Stimbergstraße wird komplett wieder aufgebaut. Diese Entscheidung ist dem Stadtrat leicht gefallen, denn die Gebäudeversicherung übernimmt die Kosten. Noch unbeantwortet ist dagegen die Frage, was mit dem Gebäude nach 2018 passiert. In gut drei Jahren soll die Schule nämlich geschlossen werden zum Nachteil vieler Kinder mit erhöhtem Förderbedarf.

Oer-erkenschwick.. Die sollen ab Herbst 2018 in das allgemeine Schulsystem eingegliedert werden. Inklusion heißt das politische Zauberwort. Gemeint ist das gemeinsame Lernen von Kindern ohne und mit einem festgestellten Förderbedarf. Schon jetzt aber steht fest, dass 2018 die 100-prozentige "Verteilung" der Fröbel-Schüler auf andere Schulen in Oer-Erkenschwick nicht funktionieren wird. "Es gibt ganz einfach Kinder, die einen so hohen zusätzlichen Förderbedarf haben, dass sie trotz aller Bemühungen in allgemeinen Schulen kaum unterrichtet werden können", sagt die Rektorin der Friedrich-Fröbel-Schule, Marietheres Marscheider.

Aktuell werden an ihrer Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprache und Lernen 92 Kinder unterrichtet. Zu wenige, um als Förderschule eigenständig zu bleiben. Deshalb hat die Stadt die Vorgabe der Bezirksregierung umgesetzt, und das Aus der Schule für 2018 beschlossen. Ab sofort dürfen deshalb keine neuen Schüler mehr aufgenommen werden.

Aber sinkt deshalb die Gesamtschülerzahl an der Friedrich-Fröbel-Schule? "Zumindest nicht in dem Maße, wie die Politik sich das erhofft. Denn wir bekommen immer mehr Kinder als Seitensteiger zugewiesen", klärt Marscheider auf.

Die erhoffte Zwangsschrumpfung der Schülerzahl bis 2018 möglichst weit in Richtung null an der Friedrich-Fröbel-Schule funktioniert also nicht. Und das bedeutet, dass im Sommer 2018 immer noch rund 50 oder gar mehr Mädchen und Jungen der Fröbel-Schule mit einem zum Teil erheblichen Förderbedarf vom Schulamt des Kreises auf andere Schulen verteilt werden müssen.

Auch Volkmar Schäpers, Rektor der Paul-Gerhardt-Hauptschule, hat seine Zweifel, dass das gelingt. Gemeinsames Lernen, also Inklusion, ist an seiner Schule bereits seit vier Jahren Realität. 32 Kinder mit anerkanntem Förderbedarf werden dort im Regelunterricht betreut. "Die Aufnahmekapazität für speziell zu fördernde Kinder ist aber begrenzt", sagt der Schulleiter und regt an: "Die Politik vor Ort muss sich grundsätzlich Gedanken darüber machen, wo die Schüler, die trotz aller Bemühungen nicht auf die drei weiterführenden Schulen in der Stadt verteilt werden können, künftig betreut werden."

Mit diesem Thema wollen sich in der nächsten Woche die Mitglieder des vom Stadtrat gebildeten Unterausschusses Inklusion beschäftigen. Diesmal zusammen mit allen Schulleitern. Denn im neuen Schuljahr werden auch Realschule und Gymnasium vermehrt Förderkinder aufnehmen müssen.
Für Fröbelschul-Rektorin Marietheres Marscheider ist der Schulstandort an der Stimbergstraße unverzichtbar.
- Sie hofft, dass nach 2018 in dem Gebäude eine Spezialgruppe für solche Schüler eingerichtet wird, die noch keine Regelschule besuchen können. Marscheider: "Wünschenswert wäre auch eine Beratungseinrichtung für Familien."

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