Ende der Fahnenstange

Marl.  Seit Jahren gibt es immer neue Verzögerungen und die Marler Politiker sind längst abgehärtet.

Die jüngsten Briefe der chinesischen Investoren, sie hätten sich zerstritten und deshalb werde es in diesem Jahr keinen Bauantrag für das Groß- und Außenhandelszentrum an der Herzlia Allee geben, war deshalb kein Aufreger mehr. Auf der Ratssitzung am 16. Dezember wird folglich die Rückabwicklung des Grundstück-Kaufvertrages beschlossen.

„Alles muss ein Ende haben. Marl muss seine Glaubwürdigkeit behalten“, zieht Peter Wenzel ein Fazit. Die Stadt habe sich eine Chance erhofft, so der SPD-Fraktionsvorsitzende. Der Chemiepark brumme, der Industriepark sei ein Erfolg, deshalb könne es auch Interessenten für das „Marler Filetstück“ geben.

„Wir waren nicht erstaunt“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Dargel zu den Briefen der Chinesen. Die CDU sei unzufrieden gewesen über die wenigen Informationen, die die Investoren preisgegeben hätten. Es sei halt eine Chance für Marl gewesen. „Wie es weiter geht, liegt in den Sternen.“

„Wir sind enttäuscht, dass es nicht geklappt hat“, so der Fraktionsvorsitzende der Bürgerunion Marl (bum), Jörg Friedrich. Die Chinesen hätten lange genug Zeit gehabt, jetzt sei „Ende der Fahnenstange“. Während in China Geld keine Rolle spiele, hätten sich die Investoren in Marl schwer getan. „Vieles haben wir da nicht verstanden.“

„Es war bereits viel Geld im Spiel und deshalb haben wir vermutet, dass die Chinesen es ernst meinen“, wundert sich Robert Heinze, Fraktionsvorsitzender der FDP. „Ich kann mir die Absage nicht erklären.“ Jetzt müsse die Stadt die Reißleine ziehen, damit das Grundstück auch anderen Investoren zur Verfügung gestellt werden kann.

„Das war am ersten Tag erkennbar, dass das eine Lügengeschichte ist“, kommentiert Friedrich Dechert, Vorsitzender von Wir für Marl, die neue Wendung. Man habe gleich durchrechnen können, dass sich das Geschäft nicht lohne. „Vielleicht hat Marl ja Glück“, hofft Dechert auf eine Vermarktung des Geländes.

Was sich die Politiker nicht erklären können: Hunderte von Chinesen sollen aus ihrer Heimat ausgereist sein, um in Deutschland Kontakte wegen des Außenhandelszentrums aufnehmen zu wollen. Einmal griff sogar der Zoll ein und hielt eine komplette Delegation zurück.

Vielleicht war das geplante Handelszentrum auch nur ein Vorwand für andere Aktivitäten. Die Vermutung sei nicht abwegig, meinen Politiker. Beweise gebe es dafür aber keine.

 
 

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