Ein Tod rettete fünf Leben

Rechtsanwalt Gisbert Bultmann  warb für die Organspende. Foto: Oliver Mengedoht / WAZ FotoPool
Rechtsanwalt Gisbert Bultmann warb für die Organspende. Foto: Oliver Mengedoht / WAZ FotoPool
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Recklinghausen.  Wenn ich sanft entschlafen möchte? Warum bekommen Organspender dann noch Narkose? Viele Fragen beim Infoabend „Organspende – (be)trifft jeden!“ des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises (GPA) der CDU im Hotel Engelsburg, zu dem Karl Josef Krekeler eingeladen hatte. Gut 50 Interessierte kamen. Es entwickelte sich eine überaus lebhafte Diskussion.

Der Recklinghäuser Rechtsanwalt Gisbert Bultmann erinnerte sich, wie vor 17 Jahren sein Bruder bei einem Rennradunfall ums Leben kam und er mit seiner Schwägerin in einem Gespräch unsensibel von einem gut gelaunten, sonnengebräunten Arzt mit der Todesnachricht auch gleich gefragt wurde, ob sie einer Organentnahme zustimmen würden. „Dabei ist ein zentrales Element für so eine Entscheidung Vertrauen“, ist Bultmann sicher.

Eine Organspende beginne, wenn zwei Ärzte den Hirntod feststellten, fuhr Dr. Ulrike Wirges fort. Bis dahin hätten Mediziner alles Menschenmögliche getan, um den Betroffenen zu retten, „aber die Medizin hat auch Grenzen“. Ein Organspender „sieht lebendig aus, hat rosige Haut, das Herz schlägt, aber er lebt nicht mehr, nur die biologischen Funktionen sind noch da“, erklärte die viele Jahre leitende Notärztin. Dann würden die Geräte abgestellt oder eine Organspende vorgenommen, maximal 18 Stunden könne ein Körper dafür an der Beatmung gehalten werden, versicherte Wirges, Geschäftsführende Ärztin in der Region NRW der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO). „Auch für meine Kollegen ist es emotional die schlimmste Situation, mit der Todesnachricht auch noch nach der Organspende zu fragen. Darum ist ein Spenderausweis so wichtig, egal ob ja oder nein angekreuzt ist.“

Aus der Transplantationspraxis nannte Professor Richard Viebahn, Direktor des Chirurgischen Transplantationszentrums am Knappschaftskrankenhaus Bochum, Zahlen. Im europäischen Ausland gebe es bis zu zweieinhalbmal mehr Spender. Auch Kirchen befürworteten die Organspende. „Der Papst hat gesagt, es sei ein Akt der Nächstenliebe“, ergänzte eine Besucherin. „Ich bin überaus glücklich“, berichtete Maria Vierhaus aus Castrop-Rauxel. Sie ist seit 31 Jahren nierenkrank und lebte neun Jahre mit der Dialyse, bevor sie ein Spenderorgan erhielt. „Es gab mir Lebenskraft zurück“, freut sich die 60-Jährige.

Warum bekommen Organspender Schmerzmittel und Narkose, wenn sie nichts mehr spüren? Nicht wegen möglicher Schmerzen – „sie sind ja schon tot“ –, antwortete Wirges, sondern wegen Reflexen im Rückenmark. Ein Senior wollte wissen, was denn sei, wenn er sanft entschlafen wolle. Der Mensch sei schon gestorben, wenn es zur Organspende komme, entgegneten Wirges und Viebahn.

Gisbert Bultmanns Bruder hat übrigens fünf Menschen das Leben gerettet, „seine Leber sogar einem Erwachsenen und einem kleinen Kind – er wäre begeistert gewesen“. Das habe am Ende dann doch die Angehörigen ihren Frieden mit der Entscheidung machen lassen, so Bultmann.

 
 

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