Ein Hauch von Hollywood beim Grimme-Preis in Marl

Marl.. Der Grimme-Preis hat am grauen Freitagnachmittag in Marl wieder einen Hauch von Hollywood versprüht. Regisseur Ali Samadi Ahadi („Iran Elections 2009“) genoss das Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich, als wäre es die Oscar-Nacht.

Vor der imposanten Freitreppe des Marler Rathauses war’s nur ein kleines Häuflein der unentwegten Hobbyfotografen und Autogrammsammler, die am grauen Nachmittag auf die Grimme-Preisträger warteten.

Doch Ali Samadi Ahadi wusste das Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich zu genießen, als wäre es Ocar-Night in Hollywood – und nicht Marl Mitte. Mit seinem Produktions-Duo Jan Krüger und Oliver Stolz strahlte er Arm in Arm um die Wette: Der Regisseur von „Iran Elections 2009“ war der Erste beim Presseempfang – alle Aufmerksamkeit war ihm sicher.

Dominik Graf mit grimmigen Pointen

Seine Dokumentation, die auch mittels Animations-Szenen vom Widerstand gegen die manipulierten Wahlen im Iran erzählt, war zwar nicht DER Abräumer des 47. Grimme-Preises. Aber Ahadis Werk sorgte für das dezidiert politische Poster zur Preisverleihung: Eine Hand mit grünem Armband spreizt die Finger zum „Victory“-Zeichen: Und diese seit Churchill aktuelle Geste wiederholten die drei „Iran Elections“-Macher nach Kräften vor jeder Kamera.

Dominik Graf war dagegen ganz Routinier – logisch, könnte man sagen, nach acht Grimme-Preisen. Für Nummer 9 für den Zehnteiler „Im Angesicht des Verbrechens“ durfte der Qualitäts-Regisseur gleich acht Kollegen mitbringen – darunter Marie Bäumer als prominenteste Schauspielerin unter den 43 Geehrten 2011. Dominik Graf in seiner rustikalen Lederjacke sprach mit leiser Stimme grimmige Pointen in die Stenoblocks und Mikrofone – etwa auf die Frage nach den Gewaltszenen in seiner fast 500-minütigen Mafia-Sage: „Nein, dafür habe ich den Preis nicht bekommen – aber man kann ihn ja einführen: den Grimme-Preis für drastische Szenen“.

Von Gewalt gegen den Staat erzählt auf viel unspektakulärere Weise „Anwälte“ von Birgit Schulz. Das erst am Schneidetisch entstandene „Dreier-Gespräch“ zwischen Otto Schily, Christian Ströbele und Horst Mahler sorgte für die stille Sensation dieses Grimme-Tages: „Zum zweiten Mal in 20 Jahren“, so formuliert’s Katharina Schmidt, erhält eine Schnittmeisterin die stilisierte Mattscheibe aus Silber. Die vorab für die Fotografen entgegen gereicht Trophäe dreht sie scheu lächelnd in den Händen.

Felix Hassenfratz holt „Grimme“ für den KiKa

„Für ein paar Sekunden dachte ich an eine Verwechslung“, sagt Katharina Schmidt zu dem Moment als „Mr. Grimme-Preis“ Werner Spies sie mit der frohen Nachricht anrief. „Ich finde es großartig von der Jury,“ strahlt die Cutterin – sichtlich stolz „für den ganzen Berufsstand“, wie sie betont.

Wieviel zeithistorisches Filmmaterial sie in den ARD-Archiven sichtete – die Frage beantwortet die Regisseurin: „tonnenweise“. Schily und Ströbele seien bewegt gewesen von der Filmvorführung – und selbst der heutige Rechtsextremist Horst Mahler sagte nach einer Privatvorführung im Gefängnis, so die Regisseurin: „Anwälte sollte in allen Schulen gezeigt werden.“

Apropos Schulen: Die zweitbeste Show auf dem Rathaus-Teppich nach Ali Samadi Ahadi bot Felix Hassenfratz, der einen „Grimme“ für den KiKa holte. Gewandt spielte er mit den Kameras der Fotografen wie die Idealbesetzung eines jungen Serien-Charmeurs. Dabei inszenierte Hassenfratz („ich werde sehr oft falsch geschrieben“) die „Schnitzeljagd im Heiligen Land“, um für Grund- und Vorschüler der großen Frage nachzuspüren: „Welche Religion ist eigentlich die Richtige“?

Apropos Jugend: Das innigste Bild auf dem roten Teppich bot Aelrun Goette mit den beiden jugendlichen Darstellerinnen ihres harten Sozialdramas: Michelle Barthel und Carolyn Genzkow hielten sich fest in den Armen: die eine erhält den Preis für „Keine Angst“, die andere für „Zivilcourage“ – Titel, die Mut machen.

 
 

EURE FAVORITEN