Die Zechenbahn wird zur Radtrasse

Sie freuen sich auf die neue Radtrasse: Recklinghausens Bürgermeister Wolfgang Pantförder, Landrat Cay Süberkrüb, RVR-Umweltexperte Uli Carow, Hertens Bürgermeister Dr. Uli Paetzel und Hertens Wirtschaftsförderer Volker Lindner.
Sie freuen sich auf die neue Radtrasse: Recklinghausens Bürgermeister Wolfgang Pantförder, Landrat Cay Süberkrüb, RVR-Umweltexperte Uli Carow, Hertens Bürgermeister Dr. Uli Paetzel und Hertens Wirtschaftsförderer Volker Lindner.

Vest.. Jahrelang war es nur ein Traum von Stadtplanern und Fahrrad-Enthusiasten. Jetzt wird dieser Traum Wirklichkeit. Nach Ostern beginnen die Arbeiten am Rad- und Wanderweg auf der ehemaligen Zechenbahntrasse von der Halde Hoheward in Herten über Recklinghausen bis nach Westerholt. Spätestens Ende 2013 soll es dann möglich sein, 9,5 Kilometer lang auf nahezu ebener Asphaltstrecke zu radeln.

„Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass es jetzt los geht“, sagt Uli Carow, Bereichsleiter Umwelt beim Regionalverband Ruhr (RVR). Er hat maßgeblich mit dazu beigetragen, dass dieses Projekt nach mehrjähriger Planungsphase nun in die Tat umgesetzt wird.

„Das ist ein Meilenstein in der Stadtentwicklung“ frohlockt Hertens Bürgermeister Dr. Uli Paetzel, der ebenso wie sein Recklinghäuser Kollege Wolfgang Pantförder und wie Landrat Cay Süberkrüb den interkommunalen Charakter des Projekts hervorhebt. Früher, so Süberkrüb, habe es bisweilen Schwierigkeiten gegeben, Städte miteinander zu verbinden. Heute sei genau das das Ziel gerade der Kommunen im Kreis. Auch in Zeiten schwieriger Finanzlagen sei es wichtig, so Wolfgang Pantförder, Strukturmaßnahmen wie dieses auf den Weg zu bringen, nachdem das Fahrrad in der Verkehrspolitik der 50er bis 70er Jahre sträflich vernachlässigt worden sei. „Das Geld ist gut angelegt“, ist Recklinghausens Bürgermeister Pantförder überzeugt.

Zumal der Weg ausdrücklich nicht nur für den Freizeitbereich gebaut wird. „Der ist auch für den Alltagsbetrieb“, so Uli Carow; für Menschen, die zur Arbeit oder zum Einkauf fahren wollen. Nicht zuletzt deshalb ist auch die Asphaltierung auf der gesamten, 9,5 Kilometer langen Strecke begründet.

Ihr Charme liegt nicht nur darin, dass sie eine der wenigen Nord-Süd-Verbindungen im Radtrassen-Bereich ist und damit Hertens Süden mit dem Norden abseits von üblichen Wegen und Routen verbindet, sondern liegt auch in der Vielfalt der Landschaften. Vom Fuß der Halde Hoheward führt sie durch das Naturschutzgebiet Stuckenbusch über Wohnnahbereiche und das alte Zechengelände Schlägel & Eisen bis zum Westerholter Bergbauareal. Eine spannende Fahrt auch durch die Entwicklungsgeschichte des Reviers, die die Bürgermeister, der Landrat und RVR-Chefradler Carow gerne nach der Fertigstellung gemeinsam buchstäblich erfahren wollen. Ihre Freude über das Zustandekommen des Projekts stand den Männern gestern jedenfalls ins Gesicht geschrieben.

Möglicherweise wird das 700 Kilometer umfassende RVR-Radnetz auf absehbare Zeit durch eine weitere Attraktion in der Region ergänzt, wie Chefplaner und Landschaftsarchitekt Andreas Freese aus Dorsten sagt. Positiv abgeschlossen worden sei die Machbarkeitsstudie zum Tunnel unter der Halde. Auch dort könnte ein Radweg herlaufen und damit eine Verbindung nach Gelsenkirchen ermöglichen. „Als nächstes könnte der Förderantrag gestellt werden.“

Erste Brücke wird nach Ostern saniert

Spannende Bereiche gibt es aus Sicht von Planer Andreas Freese, der bereits das gesamte Hoheward-Wegenetz ersonnen hat, etliche auf dem künftigen Radweg, der eine Breite von drei Metern haben wird und sich sichelförmig vom Hertener Süden über Stuckenbusch, Hochlar, Disteln und Langenbochum bis nach Westerholt erstreckt. Der bedeutendste ist die Grenze von Recklinghausen nach Herten, wo gestern das Bauschild für das Projekt aufgestellt wurde. Ein roter Stahlträger auf der Mitte der Akko-Allee soll diesen besonderen Punkt markieren. Ohnehin gehören die Übergänge, acht Brücken und drei Straßen, zu den Herausforderungen des Projekts. Alle Brücken werden saniert, ihre Stahlteile in der Farbe Rot gestrichen – zur deutlichen Markierung der Trasse. Gleich zu Beginn des Baus unmittelbar nach den Osterferien steht eine besondere Maßnahme an. Auf Hertener Gebiet wird an der Herner Straße die Zechenbahnbrücke aus ihrer Verankerung gehoben, saniert und durch neue Widerlager höher gelegt. Von dort aus werden alle weiteren Brücken in Richtung Norden erneuert.

Von Norden an wiederum, von Westerholt, werden im Herbst die europaweit auszuschreibenden Asphaltarbeiten an der Radtrasse beginnen. „Auf diese Weise kommen wir uns bei den Arbeiten nicht in die Quere“, erklärt Planer Andreas Freese.

Die Kosten für die Baumaßnahme werden sich auf 7,5 Millionen Euro belaufen. 50 Prozent davon (3,75 Millionen Euro) trägt die Europäische Union, 30 Prozent (2,25 Millionen Euro) das Land NRW, 20 Prozent (1,5 Millionen Euro) sind RVR-Eigenmittel. Für den Unterhalt und die Verkehrssicherung werden nach Fertigstellung die Städte zuständig sein.

 
 

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