Die Kanzlerin wurde in Recklinghausen umjubelt

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Recklinghausen.. Nur der Wahlsieg könnte noch schöner sein: Mit dem Auftritt von Angela Merkel im Ruhrfestspielhaus hat die CDU im Vest am Dienstagabend ihr Highlight dieses Landtagswahlkampfes erlebt.

Sie kommt pünktlich. Nein: Sie kommt sogar früher als erwartet von ihrem Abstecher nach Borken. Deshalb bleiben ein paar Minuten für ein Gespräch mit Festspielleiter Frank Hoffmann. Dem sagt sie einen Besuch in seinem Theater zu. Vielleicht sogar schon bei den am kommenden Samstag beginnenden Ruhrfestspielen dieses Jahres, spätestens aber 2011. Das verrät die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Dr. Angela Merkel ihren gut 500 Zuhörer im doch nicht restlos gefüllten Saal Kassiopeia selbst.

Der Rest ist minuziös durchgeplant. Ihr Einmarsch zu den Klängen des Fleetwood-Mac-Hits „Don’t stop“, der fotogene Zwischenstopp beim Recklinghäuser Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder und Ehefrau Ann-Christin, die stolz Baby Hermine präsentieren. Das Händeschütteln im Spalier der applaudierenden Menge. Anschließend die Rede zu den Themen, die die Politik bestimmen: Atomlaufzeiten, Griechenland, die Staatsschulden, die Familien- und die Gesundheitspolitik.

Die Bundeskanzlerin spricht 43 Minuten lang, immer wieder unterbrochen vom Beifall des Publikums. Nur einmal muss sie den Applaus charmant anstoßen. Als sie die ins Grundgesetz eingebaute Schuldenbremse lobt, ermuntert sie: „Sie können ruhig klatschen – ist nicht verboten.“ Besonders gut gefällt sie dem Saal, als sie die Griechen auffordert, sich erst einmal selbst zu helfen, bevor auch deutsche Euros nach Athen fließen. Oder als sie deutlich sagt, dass, „wer sich verweigert, die Solidarität unserer Gesellschaft nicht verdient hat“.

Die Kanzlerin streichelt die Seele ihrer Zuhörer. „Is ja wie zu Hause hier“, freut sie sich über den Jubel zur Begrüßung. Sie zeigt sich sattelfest in der Geschichte der Ruhrfestspiele mit dem Handel „Kunst gegen Kohle“, schwärmt für das Ruhrgebiet, wo man nicht wissen wolle, „woher einer kommt, sondern wo es um die Frage geht: Kann ich mich auf dich verlassen?“ Sie nennt Nordrhein-Westfalen „die Herzkammer der Wirtschaft“ für das ganze Land.

Vor allem macht sie Wahlkampf. „Stabile Verhältnisse sind wichtig. Wir in der christlich-liberalen Regierung in Berlin brauchen im größten Bundesland verlässliche Partner. Deshalb müssen CDU und FDP in NRW ihre Politik fortsetzen. „Am Berg wechselt man die Pferde nicht.“

Und sonst? Recklinghausens Bürgermeister Wolfgang Pantförder bewies Entertainer-Qualitäten, als er die Landtagskandidaten aus dem Kreis vorstellte, konnte aber doch seine Nervosität nicht ganz verbergen und kündigte „Dr. Angelika Merkel“ an. Und Lothar Hegemann, seit 30 Jahren im Landtag, plauderte ebenso freihändig wie punktgenau die Wartezeit zu, bis der Star des Abends in lila Jacke und dunkler Hose um 19.01 Uhr den Saal betrat. . .

 
 

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