Der Tabu-Brecher

Es ist ein Tabu-Thema. Produzenten meiden es wie der Teufel das Weihwasser, Geld lässt sich damit nicht verdienen: Kindesmissbrauch. Regie-Student Stefan Hinze (30) möchte als Abschlussarbeit den Film Das Mädchen ohne Hände abliefern. Der Film richtet sich an Kinder. Übers Internet sammelt Hinze Spenden.

Datteln.. "Ich möchte Filme machen, die sozialkritisch sind. ‚Das Mädchen ohne Hände‘ ist das, aber es ist kein Film, mit dem man das große Geld verdienen kann", sagt der gebürtige Dattelner. Die Idee kam Hinze, der schon als Jugendlicher Kurzfilme im Beisenkamp und am Kanal drehte, als er vor drei Jahren eine Fernseh-Doku über Kindesmissbrauch sah. "Ich habe recherchiert und festgestellt, dass es keinen Film gibt, der sich an Kinder richtet", sagt Hinze.

Er schrieb ein an Grimms Märchen angelehntes Drehbuch: Leonie ist 13 Jahre alt und wächst in einem kleinen Zirkus auf. Der schlimmste Ort ist für sie der Reptilienwagen, der Ort, an dem ihre Mäuse sterben, der Ort, an dem ihr Stiefvater sie das erste Mal angefasst hat. Leonie hat keinen Mut, über ihren Missbrauch zu reden. Aber sie möchte die Mäuse befreien, die ihre Situation widerspiegeln. Sie erschafft in ihrem Kopf ihre eigene Welt, verlässt den Zirkus und begibt sich auf eine lange Reise, bei der sie die Realität durch ihre kindliche Phantasie ersetzt.

Der Film soll sensibel mit dem Thema umgehen, ohne dabei verstörend zu wirken. Stattdessen soll er feinfühlige Botschaften vermitteln, damit betroffene Kinder über ihre Situation sprechen. "Ich arbeite mit zwei Kinderpsychologen zusammen, damit ich auch nichts falsch mache", sagt der Recklinghäuser.

Die Schauspieler sind schon jetzt mit an Bord und verzichten auf eine Gage, u.a. Detlef Scholzen ("Verbotene Liebe", "Der perfekte Mann") und Thomas Goersch ("Reise nach Agatis"), David Hürten ("Vorstadtkrokodile 1-3"), Johanna Geißler ("Arschkalt") und Ralph Martin ("Das Rauschen des Meeres").

"Wir könnten theoretisch morgen anfangen, es ist alles organisiert", sagt Hinze. Nur Geld fehlt noch. 7 500 Euro werden benötigt, um die Filmausrüstung zu leihen, um Versicherungen abzuschließen, die Fahrtkosten zu tragen, die Kulisse zu bauen, Animation programmieren zu lassen und um eine Aufwandsentschädigung für die Mitarbeiter zu zahlen.

Zwei Monate Drehzeit in Dortmund und Berlin sind angesetzt. Stefan Hinzes größter Wunsch wäre es, wenn der 47-minütige Streifen ihm nicht nur den Abschluss an der Ruhrakademie Schwerte beschert, sondern er "in Schulen oder sogar im Fernsehen oder Kino gezeigt wird."

Das Geld wird über die Internet-Plattform startnext eingesammelt. Die Finanzierung läuft noch bis Oktober. Das Geld wird nur ausbezahlt, wenn die komplette Summe zusammenkommt. Ansonsten erhalten die Investoren ihr Geld zurück. Hier gehts zur Homepage:www.startnext.de/das-maedchen-ohne-haende

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