Der Staat bezahlt, die Kirche bestimmt

Der Staat zahlt, aber die Kirche macht die Regeln, so fasste der Moderator des christlichen Freitagsforums Rolf-Dieter Möhle seine Eindrücke zusammen. Zu Gast im Haus der Begegnung war Eva Müller. Die mehrfach ausgezeichnete Journalistin von ARD und WDR las aus ihrem Roman Gott hat hohe Nebenkosten und diskutierte anschließend mit Vertretern der beiden christlichen Kirchen.

Waltrop. In ihrem Buch behandelt sie den realen Fall von Bernadette Knecht. Diese leitet einen Kindergarten in der Nähe von Bonn, bis ihre Ehe zerbricht, sie sich scheiden lässt und neu verliebt. Für den katholischen Arbeitgeber ein Kündigungsgrund.

Die betroffenen Eltern begannen daraufhin für die Erzieherin zu kämpfen. Im Laufe der Recherche kam zudem heraus, dass der betroffene Kindergarten zu 100 Prozent vom Staat finanziert wurde. Und das ist kein Einzelfall. "Die Caritas wird zu 98 Prozent vom Staat finanziert, bei der Diakonie ist das kaum anders", sagt Eva Müller. Auch bei Schulen und Kindergärten trägt die Kirche nie einen Hauptteil der Kosten.

Die Frage dränge sich also auf: Warum bezahlt der Staat die Einrichtungen und die Kirche darf die Regeln bestimmen? "Im Arbeitsvertrag steht, dass der Angestellte auch im Privatleben den Normen und Werten der Kirche entsprechen muss. Er soll als Vorbild fungieren", sagt Ulrich Hörsting, Verwaltungsleiter vom Bistum Münster. Für Eva Müller viel zu allgemein formuliert: "Kaum einer weiß, welche Ansprüche an das Privatleben überhaupt gestellt werden", sagt sie.

Anders sei das bei der evangelischen Kirche. "Bei uns zählt eher die Qualität der Arbeit, weniger das Privatleben", erklärt Dr. Hans Hubbertz, Industrie- und Sozialpfarrer des evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen.

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