Coole Sprüche und clevere Ideen

Recklinghausen. Gibbeln und verschämte Blicke gehören immer noch dazu. Wenn die Sexualpädagogen des Kreises in die Schulklassen kommen, dann unterscheidet sich das Verhalten der Mädchen und Jungen von der siebten bis zur zehnten Klassen so sehr nicht von denen eine oder zwei Dekaden früher. Allerdings: „Keine Jugendgeneration war so gut aufgeklärt, wie es die heutige ist“, sagt Meinhard Schreiber, Diplom-Pädagoge von pro familia und Leiter eines vierköpfigen Teams.

Das sind gute Voraussetzungen dafür, um bei den Jugendlichen das Bewusstsein für Verhütung zu schärfen, aber vor allem „um den Umgang mit Verhütungsmitteln zu trainieren“. Genau da gebe es noch die größten Defizite.

Beitragen dazu kann womöglich auch ein Kondom-Gestaltungswettbewerb des NRW-Gesundheitsministeriums. Das sucht eine neue Form für die Verpackung von Präservativen und vor allem für einen neuen griffigen Slogan. „Weil ich dich lieb habe . . .“ steht bislang auf den Verpackungen drauf; 140 000 Exemplare werden jährlich davon im Land unters Schülervolk getragen. Nun sollen sich Siebt- bis Zehnklässler etwas Neues einfallen lassen. „Ich bin ziemlich gespannt, was dabei herauskommt“, sagt Christof Sievers von der Drogenberatung in Marl. Er gehört neben Meinhard Schreiber und Diplom-Pädagogin Anja Siekmann (beide pro familia) und Diplom-Sozialarbeiterin Christine Laubinger vom Kreis zum verbandsübergreifenden Team, das sich in den zehn Städten des Kreises in den Schulen um die Themen Sexualpädagogik und Aids-Prävention kümmert.

Besonders ergiebig werden die Gespräche oft dann, wenn getrennt nach Mädchen- und Jungen-Gruppen beraten wird. „Bei Mädchen gibt es einen hohen Leistungsdruck“, sagt Christine Laubinger. Models und Mode geben einen vermeintlichen Idealkörper und ein Styling vor, mit dem die Mädchen zu kämpfen haben. Bei den Jungen spielt heute wie gestern Größe ein Thema. Clevere Jungs können im Wettbewerb womöglich auch einfließen lassen, wie die
Youthworker beim Verteilen von Kondomen in den Klassen künftig unverfänglich und je nach persönlichem Bedarf die Größen „standard“ und „schlank“ unter die Schüler bringen, ohne das dies die Röte ins Gesicht treibt, wenn es die kleine Variante sein sollte.

Christof Sievers sagt: „Wenn Jugendliche ein normales Kondom benutzen, muss man damit rechnen, dass es ihnen eventuell noch nicht passt“. Geschehe das öfter, wachse Frust und die Gefahr, dass kein zweites Mal ein Kondom benutzt werde. Daher: „Kein Angst vor schlanken Größen.“

Und überhaupt. So aufgeklärt die Schülerinnen und Schüler von heute auch sein mögen. Auch ihnen müsse bewusst sein, so Meinhard Schreiber: „ Sex muss man lernen.“ Bei den Besuchen in den Klassen gehe es daher auch immer darum, „einen verantwortungsvollen Umgang mit Lust, Liebe und Sex zu fördern“ und zu vermitteln, dass Mädchen und Jungen lernen, über Sexualität zu sprechen.

 
 

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