Brieftauben aus dem Pott

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Marl.. „Da wird der Himmel dunkel, wenn 50.000 Tauben aufgelassen werden“, wagt Michael Backs einen Ausblick. Er ist der Vorsitzende des am 2. Februar gegründeten Vereins „Freunde der Ruhrgebietsflüge“.

Der Verein will nicht nur neue Wettkämpfe für das Revier einführen, sondern auch den Brieftaubensport fördern und reformieren. „Mitte der 90er Jahre gab es schon eine Reviermeisterschaft“, erinnert sich der zweite Vorsitzende Hans Ohloff. Aber das sei schnell wieder eingeschlafen. Dieses Mal soll alles anders werden. Und die Truppe, die bisher den neuen Verein bildet, repräsentiert den ganzen „Pott“: Aus Dortmund und Mülheim kommen die Vorstandsmitglieder, aus Bochum, Gelsenkirchen, Oberhausen, Marl, Recklinghausen und Bottrop. Im Recklinghäuser Haus Bergedick haben sie sich zum letzten Mal vor den beiden großen Flügen für 2011 getroffen, um die Vorbereitungen abzuschließen.

„Nach Marseille müsste das der zweitgrößte Flug der Welt werden“, freut sich Michael Backs. Dem Taubenvater gehört die Mühle Matador am Stadthafen in Recklinghausen-Süd. Taubenfutter wird hier hergestellt. Mit der Idee für den Verein ging er schon lange schwanger. „Ich bin ja viel auf Messen und bei Züchtern und habe seit mindestens fünf Jahren immer wieder den Wunsch gehört, dass es wieder eine Meisterschaft für das Ruhrgebiet geben soll.“

Rund 5000 bis 6000 Schläge gebe es im Revier, noch einmal doppelt so viele in ganz NRW. „Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine so hohe Dichte an Taubenzüchtern“, weiß Vereins-Pressesprecher Thomas Dümmermann.

35 Reisevereinigungen ha­ben zugesagt, 40 bis 50 sollen es werden. 2500 Schläge werden am Sonntag, 12. Juni, ihre Tiere mit über 30 Lastwagen nach Hemau bei Regensburg schicken. Von hier aus geht es 440 Kilometer zurück in den Pott. Der zweite Flug ist für den 26. Juni aus Osterhofen (55 km) geplant, Bei schlechtem Wetter wird auf Ersatztermine ausgewichen.

Ganz ruhig und sachlich diskutieren die 16 Vereinsmitglieder im Tagungsraum, was noch ins Rundschreiben aufgenommen werden muss, was für die Siegerehrung am 8. Oktober mit großem Programm im Bürgerhaus Süd in Recklinghausen organisiert werden muss und wie man die Ergebnisse schnellstmöglich ins Internet bekommt, wenn die Tauben fallen (im Schlag landen und elektronisch registriert werden). Acht Sponsoren haben sie gefunden, die Preise und Pokale für die verschiedenen Klassen stiften. Eine Frage ist noch nicht geklärt: „Bekommt der Ruhrgebietsmeister nur einen größeren Pott oder auch einen Geldpreis?“

Es gibt viel zu bedenken und gegen manche denkbare Kleinigkeit muss man sich rechtlich absichern. „Wenn ich mein Hobby nur noch mit Steuerberater und Jurist ausüben kann, lasse ich es gleich sein“, meint ein Taubenfreund. Pfuscher und Betrüger gebe es immer und überall, kontert der nächste. Aber insgesamt sind sie optimistisch. „Das ist schon eine große Sache fürs Prestige“, erläutert Geschäftsführer Wolfgang Brackmann aus Oberhausen. Die vier schnellsten Tauben aus beiden Flügen werden dafür gerechnet. 135 km/h haben Brackmanns Tiere aus Berlin einmal geschafft, waren in drei Stunden im Schlag. „Da wird wirklich mal die Messlatte an das ganze Revier angelegt, nicht nur intern im Verein.“

 
 

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