Betrüger will freiwillig in die "Geschlossene"

Ein notorischer Ebay-Betrüger ist am Bochumer Landgericht mit dem Vorstoß gescheitert, sich wegen Spielsucht auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie einweisen zu lassen. Die Berufungskammer entschied: Der betrügende Zocker muss seine Strafe in der Gefängniszelle absitzen.

Recklinghausen. Es war ein aussichtsloses Unterfangen, um nicht zu sagen: ein untauglicher Versuch. Zum wiederholten Mal stand der einschlägig vorbestrafte Ebay-Betrüger jetzt bereits vor Gericht. Zuletzt hatte der Recklinghäuser gegen ein Urteil des Amtsgerichts (14 Monate Gefängnis) eingelegt. Das Ziel der Berufung war mehr als ungewöhnlich: Denn der 26-Jährige wollte nicht milder, sondern im Grunde härter sanktioniert werden.

Der Angeklagte ließ über seinen Anwalt erklären, der Grund für die Taten sei seine unzähmbare Spielsucht. Das Amtsgericht hatte ihm zwar deswegen bereits eine verminderte Schuldfähigkeit eingeräumt - doch er wolle mehr. Er wolle per Urteil die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung erreichen. Sonst, so sein Anwalt, sitze sein Mandant nur die Strafe ab und begehe danach sofort wieder dieselben Straftaten. Er hatte fünf Smartphone-Bieter mit fingierten Angeboten um rund 1300 Euro betrogen.

Der Vorsitzende Richter war über das außergewöhnliche Ansinnen zunächst mehr als erstaunt: "Es ist mir unverständlich, wie jemand freiwillig diesen Weg beschreitet." Vor allem, weil bei der Zwangseinweisung in die Psychiatrie der Zeitpunkt einer Freilassung unbestimmt sei und es unter Umständen sehr lange dauern könne.

Davon ab fehlte es für die Maßnahme aber an den notwendigen Voraussetzungen. Es müsste eine Schuldunfähigkeit festgestellt werden und die gebe es bei Spielsucht nicht. "Sie wären bundesweit der erste Fall", so der Richter. Sein Rat: "Es ist vorbei, sitzen sie die Strafe ab." Der Recklinghäuser nahm die Berufung zurück.

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