Beschwerden kamen nicht an

Der Saria-Standort in Marl will expandieren und seine Gebäude im Landschaftsschutzgebiet erweitern.
Der Saria-Standort in Marl will expandieren und seine Gebäude im Landschaftsschutzgebiet erweitern.
Foto: WAZ FotoPool
Über Weihnachten stank es vom Saria-Gelände in Frentrop. Doch weder im Kreis noch beim Unternehmen war jemand erreichbar.

Marl..  Es war überhaupt keine „schöne Bescherung“. Es gab Gestank, Verärgerung und Anrufe. Erfolglos. Über Weihnachten wehte es mal wieder übel vom Rethmann-Gelände in Frentrop in Richtung Alt-Marl.

„Heute ist der zweite Weihnachtstag, der heftige Geruch für einen vom Bürgermeister empfohlenen Direktanruf bei Saria zog in die Nase vieler Anlieger“, schreibt Friedrich Dechert (Wir für Marl). Sein Ergebnis: Nichts und niemanden erreicht.

Gerade diese Geruchsbelästigung war in den letzten Wochen entscheidend für die Bedenken und Proteste von Marler Bürgern gegen die gewaltigen Ausweitungen des Saria-Geländes. Bestritten wurden die Probleme nicht, doch eher als bedauerliche Einzelfälle eingestuft. Verbunden mit der Bitte, die Bürger mögen doch sofort ihre Beschwerden an der richtigen Stelle anbringen. Zum Beispiel beim Kreis, Untere Immissionsschutzbehörde. Am anderen Ende ging Weihnachten niemand ans Telefon, es gab keinen Anrufbeantworter. Die Kreisbehörde ist bis ins nächste Jahr geschlossen.

Falsche Saria-Telefonnummer

Zweiter Versuch: Saria in Marl. Die Stadtverwaltung gab die Nummer 914 50 an. Keiner hebt ab. Nachforschungen bei Saria am gestrigen Donnerstag ergaben: Die Nummer ist falsch, richtig ist 914 10. Hätte aber auch nicht geholfen, denn das Telefon war über Weihnachten nicht besetzt, es gab auch keinen Anrufbeantworter. Die betroffenen Bürger fühlen sich verschaukelt. Zumal Pressesprecher Marcel Derichs auf einer Bürgerversammlung noch ausdrücklich betont hatte, man nehme Hinweise sehr ernst, dem Unternehmen liege viel an einem guten nachbarschaftlichen Miteinander.

Das hatte er auch im Mai in Schmalkalden (Thüringen) gesagt. Da wehte ein „süßlicher“ Gestank zu Ostern durchs Dorf Schwallungen. Andere sagten: „bestialisch“. Der Geruch kam von einer supermodernen Biogasanlage. Bürgermeisterin Marina Pehlert hatte Verständnis für die Bewohner des „Stinkedorfes“, wie es dort heißt.

Als dann der Gemeinderat aus Nürtingen (Baden-Württemberg) kam, lobte sie die Anlage. Auch in Nürtingen soll eine Biogasanlage gebaut werden und es gibt energische Proteste. Anschließend, so heißt es in Schwallungen, hätte sie ihr Lob gerne zurückgenommen. Der Saria-Pressesprecher Marcel Derichs war gestern nicht zu erreichen. Er hat Urlaub. Beschwerden aus Marl waren dem Unternehmen nicht bekannt.

Wie auch.

 

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