Auf der Pirsch

Jaqueline Fensch
Ein Bruch am Hut: In der Haard waren über 400 Jäger und Treiber dabei. Foto: Mathias Schumacher / WAZ FotoPool
Ein Bruch am Hut: In der Haard waren über 400 Jäger und Treiber dabei. Foto: Mathias Schumacher / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Vest. Ein schöner Rehrücken oder ein ordentlicher Wildschweinbraten sind gern gesehene Gäste auf der Weih-nachtstafel. In den Wintermonaten hat Wildbret Hochkonjunktur und ist wegen seines fettarmen Fleisches und Nährstoffreichtums stets eine gute Wahl.

Derzeit ist Wild erschwinglich, der Preis sozusagen im Unterholz. Kaufen kann man es auch direkt am Halterner Forsthof Haard, Recklinghäuser Straße 291.

Wer allerdings einen Braten in den Einkaufkorb legen möchte, ist hier an der falschen Adresse: Die Tiere werden am Stück verkauft, müssen noch aus der Decke geschlagen oder abgeschwartet und eigenhändig zerlegt werden. Außerdem wartet nicht immer ein künftiges Ragout im Kühlhaus. Denn für den Verzehr werden die Tiere nicht erlegt. Gesetzlich vorge-gebene Abschusspläne diktieren maßvolles Jagen und eine Regulation des Bestandes.

Während für Reh- und Dam-wild feste Vorgaben bestehen, gibt es für Schwarzwild keinen Abschussplan. Die Schwarzkittel haben sich seit Anfang der 1990er Jahre stark vermehrt. „Von einer Plage möchte ich nicht sprechen, aber der Bestand muss reduziert werden“, fordert Ingo Lewing, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Haard-Haardvorland.

Wie groß der Bestand wirklich ist, lässt sich nur hochrechnen. „Seinen Bock persönlich zu kennen, ist nicht möglich“, weiß auch Kersten Blasczok, Oberförster beim Regionalverband Ruhrgebiet. Die Strecke des letzten Jahres und der Verbiss sind allerdings Indikatoren zur ungefähren Bestimmung. Die milden Winter und ein reichlich gedeckter Tisch hätten die Schwarzwildpopulation in die Höhe schießen lassen.

Um Wildschäden und auch der Schweinepest in Hinblick auf die zahlreichen Mastbetriebe der Region vorzubeugen, müssen die Tiere stärker bejagt werden. Vor einer Horde Schwarzkittel ist kein Schrebergartenzwerg sicher. Spaß beiseite: Wird wie im vergangenen Jahr im Herzogstal ein Feld von den wilden Paarhufern verwüstet, muss der Jagdpächter den nicht unerheblichen Schaden begleichen. „Das ist ein Auf-trag, den wir zu erfüllen haben“, erklärt Lewing anlässlich einer revierübergreifenden Drückjagd in der Haard.

Über 400 Waidmänner zogen durch das 5500 Hektar große Waldgebiet und versammelten sich anschließend am Haus Vogelsang in Ahsen, um die Strecke niederzulegen. Geschossen wurden 25 Wildschweine, elf Rehe und zwei Füchse.

„Auffällig ist, dass durch die starke Mast das Schwarzwild sehr stark ist“, stellt Lewing fest. Ein weiteres Indiz zur Reduktion des Bestandes. Er rät Spaziergängern auf den Wegen zu bleiben. Wildschweine sind keine blutrünstigen Bestien, eine Bache mit ihren Frischlingen kann aber bei Störung recht ungemüt-lich werden. Gefährlich wird das insbesondere für Hunde.

Der Drückjagd folgte eine veterinärmedizinische Untersuchung. 20 Bläser ließen Jagdhornsignale erklingen, Fackeln brannten und der Jagdkönig wurde bestimmt. Ein traditionelles Jagdspektakel, das mit dem geselligen Schüsseltreiben endete.

Die Jägerschaft zeigt sich als Gemeinschaft, die eben nicht in königsblau, sondern in jägergrün auftritt. Unbestreitbar ein Hobby mit Verantwortung, der sich die Beteiligten bewusst sind.