Aliso lag wohl an der Lippe

Maske aus Bein mit Glasaugen, Titelbild vom Band Römerlager in Westfalen. Bild: LWL
Maske aus Bein mit Glasaugen, Titelbild vom Band Römerlager in Westfalen. Bild: LWL
Foto: WAZ FotoPool

Haltern am See.. Seit Jahrhunderten zerbrechen sich die Archäologen den Kopf über die Frage: „War Haltern das in der antiken Literatur beschriebene Aliso?“ Mal sagten die Altertumsforscher „Ja“, dann hieß es wieder „Eher nicht.“

Einer gibt eine zumindest ziemlich klare Antwort, und zwar schriftlich - und natürlich wissenschaftlich fundiert. „Ja, Haltern ist wohl Aliso“, sagt Dr. Rudolf Aßkamp, Chef des Halterner Römermuseums.

Ein wahrer Indizienprozess, spannend wie ein Krimi. Und ab sofort tatsächlich nachzulesen. Die Altertumskommission des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe brachte soeben den fünften Band ihrer Reihe „Römerlager in Westfalen“ auf den Markt. Geschrieben hat den wissenschaftlich fundierten, aber auch für Laien gut verständlichen Text des Buches über das Halterner Lager der Direktor des Halterner Römermuseums, Dr. Rudolf Aßkamp.

Im Gespräch erinnert Dr. Aßkamp an einen lange währenden Forschungsstreit darüber, wo das sagenumwobene Aliso tatsächlich gelegen hat. Viele antiker Quellen hätten schon lange darauf hingewiesen: „Neue Funde wie die Skelette in einem Töpferofen haben diese These untermauert.“ Diese Funde beweisen laut Aßkamp, dass das Römerlager in Haltern noch lange nach der Varusschlacht Bestand hatte. Und laut der alten Schriftquellen existierte das Lager Aliso noch bis 16 n. Chr. fort.

So kommt Dr. Rudolf Aßkamp am Ende seiner Indizienkette in dem neuen Museumsband zu dem Schluss: „Durch diese neuen Indizien hat die Wahrscheinlichkeit der Identität von Haltern mit Aliso deutlich zugenommen. Vielleicht können zukünftige archäologische Ausgrabungen die letzte Unsicherheit eines Tages vollständig beseitigen.“

Ansonsten stellt die neue Publikation wissenschaftlich fundiert die römischen Anlagen von Haltern vor. Konzipiert wurde die Reihe vor zwei Jahren von der Altertumskommission für Westfalen, um alle römischen Fundorte für Laien und Experten gleichermaßen präzise vorzustellen. In der Reihe liegen bereits Bände über Kneblinghausen (Kreis Soest). Holsterhausen (Dorsten), Oberaden (Kreis Unna) und Anreppen (Kreis Paderborn) vor. Nach dem Halterner Band sollen noch zwei weitere folgen.

Der 44 Seiten starke Band enthält zahlreiche Fotos von den Ausgrabungen, Abbildungen von wichtigen Funden, Rekonstruktionen und vor allem detailgenaue Pläne von Fundstätten. Und wer nicht weiß, was ein Atrium, Centurio oder ein Tumulus ist: Am Ende gibt’s noch ein Glossar, das die Sprache der alten Römer ins Deutsche übersetzt.

Den Band gibt’s im Halterner Römermuseum an der Weseler Straße 100 und im Buchhandel.

Das Buch ist da. Etwas warten muss Haltern dagegen noch auf den geplanten Archäologiepark. Grundstückskäufe zögern den Baubeginn noch hinaus. Beim Landschaftsverband rechnet man nicht mehr damit, wie geplant noch in diesem Herbst starten zu können.

Römerlager in Westfalen. Haltern. Rudolf Aßkamp. Band 5, Münster 2010. 44 Seiten, ISSN 1866-640X, 4 Euro.

 
 

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