Ärger wegen Radeln auf der Schachtstraße

Eigentlich macht Andreas Greinwalder alles richtig, wenn er über die Schachtstraße radelt: Er fährt mit Licht, trägt einen Helm und leuchtend gelbe Kleidung, damit er gut gesehen wird. Weil der löchrige Radweg an manchen Stellen unpassierbar ist, weicht der Marler auf die Fahrbahn aus.

Marl. Deshalb wird Andreas Greinwalder von Autofahrern immer wieder beleidigt. "Dieses ewige Beschimpfen geht mir auf den Geist", ärgert er sich. Bestimmt 15-mal hätten Autofahrer ihn schon dumm angemacht, erzählt Andreas Greinwalder.

Das Radeln auf der Fahrbahn mag für Autofahrer, die gern Gas geben, nervig sein. Doch die verbreitete Ansicht, wenn ein Radweg da ist, müssten Radfahrer ihn auch benutzen, ist ein Irrtum. Nur auf Radwegen mit blauem Verkehrsschild und weißem Fahrradsymbol (Verkehrszeichen 237, 240 oder 241), muss man fahren - auch wenn man meint, dass man auf der Fahrbahn besser vorankommt.

Auf der Schachtstraße zwischen Matthias-Claudius-Straße und Brassertstraße, wo besonders viele Schlaglöcher sind, haben Radfahrer die freie Wahl, ob sie die Straße oder den Gehweg benutzen. Das bestätigt Stadtsprecher Daniel Rustemeyer auf Nachfrage. Allerdings gilt die freie Wahl nicht für die gesamte Schachtstraße. An manchen Stellen stehen nämlich blaue Radwegschilder.

Nur Flickwerk

Eine Lösung für Andreas Greinwalders Problem ist kurzfristig nicht in Sicht. Der mit Schlaglöchern gesprenkelte Radweg der Schachtstraße wird ebenso wie die Fahrbahn nicht vor 2020 saniert. Auf der vom Rat beschlossenen Sanierungsliste der Stadt sind dafür zwar 1,3 Millionen Euro eingeplant. Doch die Landeszuschüsse müssen erst noch beantragt werden.

68 Millionen Euro betrug der Sanierungsstau für Straßen, Radwege und Fußwege im letzten Jahr. Die Stadt kann jährlich aber nur eine halbe Million Euro ausgeben.

Einen Radweg ohne die ganze Straße zu sanieren, sei rausgeschmissenes Geld, sagt der Leiter des Zentralen Betriebshofs (ZBH), Michael Lauche. Für die Schachtstraße lohne sich nur eine Sanierung von Grund auf. Doch zunächst sind Breddenkamp- und Römerstraße an der Reihe. Dann folge die Sanierung der Victoriastraße zwischen Ziegeleistraße und Altem Pütt, erklärt Daniel Rustemeyer. Welche Straße danach erneuert wird, müssen die Verkehrspolitiker noch beschließen.

Bis 2020 wird es auf der Schachtstraße also nur "Flickwerk" geben: ZBH-Chef Michael Lauche verspricht, dass verkehrsgefährdende Schlaglöcher immer und auf jeden Fall beseitigt werden - "unabhängig von jeder Grundsanierung".

Heinz-Peter Mohr