Wrackteile zeugen von Kriegsdrama

Arbeitskreis AK AltIm Bild v.l. Wolfgang Erlen, Dr. Helmut Grau, Sven Polkaeser, Jürgen Lohbeck Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
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Stücke einer abgeschossenen Halifax sind im alten Rathaus in Langenberg zu sehen. Berichte von Zeitzeugen bereichern die Ausstellung.

Siebzig Jahre lang lagen noch Teile einer abgestürzten Halifax II unbeachtet unter der Erde des Vossnackens; ein größeres Teil hatte noch die Funktion, die Grube eines nahe gelegenen Bauernhofes abzudecken. Erst Anfang des Jahres hörte der Langenberger Jürgen Lohbeck im Rahmen seiner Recherchen für sein zweites, jetzt im Handel erhältliche Buch „Der Krieg vor unserer Haustür“ von zwei abgeschossenen Bombern über Langenberg. Ab Sonntag können nun interessierte Bürger im alten Langenberger Rathaus rund 400 Stücke eines Flugzeuges besichtigen.

Aber nicht nur die Wrackteile sind in der heimatkundlichen Ausstellung zu sehen, sondern auch Bilder und Zeitzeugenberichte, die Jürgen Lohbeck zusammengetragen hat.

Der Leiterin des Arbeitskreises Alt-Langenberg der VHS, Barbara Brombeis, war es dann auch vorbehalten, die Ausstellung zu eröffnen, ehe der Impulsgeber Jürgen Lohbeck, durch den der Stein bzw. die Suche nach Wrackteilen ins Rollen kam, schnell und bescheiden die weiteren detaillierten Details des Such- und Aufklärungsvorganges an Dr. Helmut Grau weitergab. Dr. Grau erläuterte dann ausführlich, wie man aufgrund der Funde die Flugzeugtypen bestimmen kann. Dank der Zeitzeugen war es in Langenberg schnell möglich, die Fundstelle zu finden und die Nachforschungen begannen. In Vitrinen sind sie nun zu sehen: Reste von Instrumenten, Cockpitverglasungsteile, Leitungen, technische Komponenten oder auch persönliche Ausrüstungsgegenstände.

Für die Gruppe der ehrenamtlichen Mitarbeiter beim Landesverband Rheinland um Dr. Helmut Grau und Sven Polkläser waren die Schlauchschellen der entscheidende Hinweis. Die Recherchen ergaben klar und deutlich: Es handelte sich da um eine kanadische Halifax II HR-807, die im Jahr 1943 beim Einsatz über Essen abgeschossen wurde und es dann bis zum Voßnacken schaffte. Vier Besatzungsmitglieder fanden den Tod, drei überlebten. „Leider war es bisher nicht möglich, Verwandte der Überlebenden zu finden“, bedauerte Lohbeck die vergebliche Suche.

Von der immerhin 22 Meter langen und mit einer Spannweite von 32 Metern großen Halifax blieben nur noch 400, zumeist nur kleine Teile, über. „Kein Wunder“ ,erklärte Dr. Helmut Grau, „kurz nach dem Absturz wurde das Flugzeug nach unbekannten Waffen oder Bordmitteln untersucht und das Aluminium und der Stahl schnell für die deutsche Rüstungsindustrie wieder eingeschmolzen.“ Bevor die ersten Besucher die Ausstellung besuchen konnten, erzählte Jochen Wirth, der als zwölfjähriger Junge mit seinem Vater eine zweite abgeschossene Halifax am Brink aufsuchte, von seinem Erlebnis: „Mein Vater hat mich aber schnell wieder weggeschickt, als wir die Toten sahen. Zwei Tage später war die Absturzstelle abgesperrt.“ Auch von dieser angestürzten Maschine erhofft sich der Arbeitskreis Informationen. Wenn ein Langenberger noch Teile der Maschine besitzen sollte – die Historiker sind dankbar für eine Übergabe.

 
 

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