Wolfgang Gemmer aus Velbert steht Verbrechensopfern bei

Landrat Thomas Hendele (r.) und der Opferschutzbeauftragte Frank Bons (2.v.l.) ehrten Wolfgang Gemmer und Emilia Fahl.
Landrat Thomas Hendele (r.) und der Opferschutzbeauftragte Frank Bons (2.v.l.) ehrten Wolfgang Gemmer und Emilia Fahl.
Foto: Kreispolizei Mettmann
Wolfgang Gemmer engagiert sich seit 20 Jahren mit seiner ganzen Kraft beim „Weißen Ring“. Landrat Thomas Hendele würdigte den Einsatz des Velberters, der eine Verdienstbrosche des „Weißen Rings“ erhielt.

Velbert..  Wolfgang Gemmer zählt nicht zu den Menschen, die viel Aufhebens um sich und ihren Einsatz für die Gesellschaft machen; damit fügt er sich gut ein in die Organisation „Weißer Ring“ ein, die abseits großer öffentlicher Aufmerksamkeit Kriminalitätsopfer betreut.

Mit Verdienstbrosche gewürdigt

20 Jahre hat sich der Velberter bislang ehrenamtlich engagiert – dafür wurde er jetzt von Landrat Thomas Hendele in Anwesenheit des Opferschutzbeauftragten bei der Kreispolizei Mettmann, Frank Bons, mit einer Verdienstbrosche ausgezeichnet. „Mich hat diese Würdigung tief berührt, bringt sie doch auch zum Ausdruck, dass sich beim Umgang mit den Beteiligten von Verbrechen einiges verändert hat“, sagt Gemmer. Bis zur Gründung des „Weißen Rings“ 1976 durch den Fernsehjournalisten Eduard Zimmermann („XY ungelöst“) galt das Interesse allgemein zuerst den Tätern, ihren Motiven, Strafbemessungen, Haftbedingungen. Die neue Organisation rückte nun die Opfer in den Fokus, gab ihnen Stimme und vermittelte helfende Hände.

Wolfgang Gemmer kam über seinen Beruf als Verwaltungsbeamter bei der AOK mit dem Thema Verbrechensopfer in Berührung. „Wenn ich etwa feststellte, dass einer unsere Versicherten extrem häufig den Arzt wechselte, setzte ich mich mit ihm oder ihr in Verbindung, um die Ursache zu erfahren“, so der heute 77-Jährige. Nicht kontrollierend, sondern aus fürsorglichem Interesse erfuhr Gemmer dann manchmal von schlimmen Schicksalen, von Menschen hinter den Versicherten, die Opfer von Gewalttaten geworden waren und sich ihren Ärzten nicht offenbaren wollten oder konnten. „Viele waren einfach dankbar, dass ihnen da jemand beistehen wollte.“

Begleitung bei Gerichtsterminen

Gemmer wurde noch während seiner Berufstätigkeit Mitglied beim „Weißen Ring“, zeitgleich mit seiner Pensionierung 1995 stieg er vollamtlich ein, „ich konnte so mein Erfahrungswissen gut einbringen.“ Mit welcher Motivation stellt man sich einer solchen Hilfsorganisation zur Verfügung? „Man muss den Menschen zugewandt sein“, formuliert es der Velberter, „man muss helfen wollen und unter Umständen die eigenen Interessen auch mal hintanstellen können“, sagt er. Gemmer hört zu, zeigt Verbrechensopfern Wege zu Hilfseinrichtungen auf, lichtet den Paragrafendschungel, begleitet zur Anzeigenaufnahme bei der Polizei, organisiert mit der Autorität seiner Einrichtung auch schon mal einen schnellen Termin beim Psychotherapeuten. Und er begleitet auch beim Gang vors Gericht. „Ein weibliches Vergewaltigungsopfer fühlte sich durch unsere Begleitung stark genug, ihrem Peiniger ins Gesicht zu sehen, so dass der schließlich verurteilt werden konnte“, erinnert sich Wolfgang Gemmer.

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